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Die 6 Gefangenen von Erdoğan

Sie sind die größten Opfer der Repressalien des Erdoğan Regimes. Monatelang waren sie verschwunden und wurden gefoltert. Jetzt trauen sie sich in der Haft nicht einmal dazu einen Anwalt zu fordern. Was sie bis heute erleiden mussten, erinnert an das Deutschland unter der Führung der Nazis.

CEVHERİ GÜVEN

BOLD – In der Geschichte der Türkei hatte es immer wieder Entführungen von Menschen und Folter an geheimen Orten gegeben. Was in den 90er Jahren den Kurden widerfahren ist, trifft heute auf die Hizmet- Bewegung zu.

Seit Anfang 2016 bis heute sind insgesamt 29 Personen spurlos verschwunden. Von einigen unter ihnen hat man sehr lange nichts gehört und die Hoffnung auf ein Lebenszeichen von ihnen schwindet allmählich.

Im Februar 2019 waren auf ähnliche Weise sechs Personen entführt worden. Gökhan Türkmen, Yasin Ugan, Özgür Kaya, Erkan Irmak, Salim Zeybek, Mustafa Yılmaz.
Die ersten vier, Gökhan Türkmen, Yasin Ugan, Özgür Kaya und Erkan Irmak, sind nach sechs Monaten plötzlich bei der Antiterrorpolizei TEM in Ankara wieder aufgetaucht. 3 Monate später tauchten auf ähnliche Weise auch Mustafa Yılmaz und Gökhan Türkmen auf.

Ihre erste Botschaft: Zieht die Anträge vor internationalen Gerichten zurück

Die Ehefrauen dieser sechs Personen schildern alle das Gleiche. Die Ehemänner hätten alle enorm abgenommen, sie hätten kreidebleiche Hände und seien extrem verängstigt. Keine der Ehefrauen durfte ihren Ehemann unter vier Augen sprechen. Sie waren gesetzeswidrig unter ständiger Beobachtung durch mindestens einen Polizeibeamten oder einen Gefängniswärter. Zudem wurde alles von Kameras aufgezeichnet. Alle sechs Männer hätten ihren Ehefrauen als erstes empfohlen sämtliche Anträge vor internationalen Gerichten zurückzuziehen. Sie hätten alle dieselbe Phrase wiedergegeben. So als hätten sie es auswendig lernen müssen.

“Ich will keinen Anwalt. Ziehe die Anträge und Anzeigen vor internationalen Institutionen auf unser Verschwinden und Folter zurück. Widerrufe deine Beschwerden vor türkischen Gerichten und hör auf auf Twitter darüber zu schreiben.“

Kein Beistand von Anwälten

Die Angehörigen dieser sechs Verschleppten hatten nach ihrem Auftauchen in türkischen Haftanstalten über Verwandte und Anwälte mitgeteilt, was ihnen angetan wurde. Diese Aussagen wurden auch vor Gerichten vorgetragen und fanden Eingang in Gerichtsakten. Aufgrund dessen ist das geheime Folterzentrum des türkischen Geheimdienstes MIT in Ankara aufgeflogen.

Bei den sechs Personen vom Februar 2019 wurde eine andere Strategie verfolgt. Ihnen wurde ein Treffen mit ihrem Anwalt oder einem Pflichtverteidiger von der Anwaltskammer sowie das private Treffen mit Angehörigen verweigert.

Die verängstigten Personen hatten nach monatelanger Folter keinen Anwalt gefordert, als wäre das so im Vorfeld vereinbart worden. Doch anschließend sind unbekannte Anwälte aufgetaucht. Sie wurden nicht durch die Anwaltskammer zugeteilt. Niemand weiß, wer sie bezahlt. Beim Blick auf ihre Profile erkennt man, dass es sich um Ultranationalisten handelt. Sie geben keine Informationen an die Angehörigen ihrer Mandanten weiter.

Eine dieser Anwälte ist Neslihan Koçer. Sie verteidigt vehement, dass es keine Entführung und Folter gegeben habe. Laut Anwältin Koçer hätten sich diese Personen versteckt und dann irgendwann beschlossen, sich der Polizei zu stellen. Koçer behauptet zudem, dass sie bei einem beruflichen Besuch auf dem Polizeirevier Yasin Ugan und Özgür Kaya zufällig im Korridor gesehen und danach beschlossen habe, ihre Fälle zu übernehmen. Die Frage, warum diese Personen auf ihre Familienanwälte verzichten, lässt Koçer unbeantwortet.
Koçer hat nach diesem Interview in türkischen Gerichten einen Antrag eingereicht und den Zugang zu unserem Nachrichtenportal Bold Medya in der Türkei blockieren lassen.

Anträge vor internationalen Gerichten

Nach der Entführung dieser sechs Männer haben ihre Familien monatelang gekämpft. Sie haben sich in der Türkei an jede erdenkliche Behörde und Institution ohne Erfolg gewandt. Danach haben sie sich an zwei Institutionen für internationales Recht gewandt. Einmal an die Arbeitsgruppe Entführungen der Vereinten Nationen und an das Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Diese beiden Institutionen haben diese sechs Fälle aufgenommen und von der Türkei eine entsprechende Stellungnahme gefordert.

Auch diese Angelegenheit war scheinbar Teil der Vereinbarung für ihre Überführung aus den geheimen Folterzentren des türkischen Geheimdienstes zur Antiterrorpolizei TEM. Zu den auswendig gelernten Aussprüchen zählt offensichtlich auch die Forderung danach, diese Anträge vor internationalen Institutionen zurückzuziehen. Ihre Angehörigen sind aber fest entschlossen diesen Kampf fortzuführen und ihre Anträge nicht zurückzuziehen.

Twitter der einzige freie Raum

Aufgrund der gleichgeschalteten Medien in der Türkei und der immensen Zensur bleibt den Familien keine andere Plattform als Soziale Medien. Am meisten nutzen sie dabei Twitter.

Die Hilfeschreie der Angehörigen wurden zu Tausenden geteilt und fanden auf diese Weise Gehör. Insbesondere Sümeyye Yılmaz, die Ehefrau des Physiotherapeuten Mustafa Yılmaz, hat Twitter sehr stark genutzt. Sümeyye Yılmaz glaubt, ihr Engagement auf Twitter habe einen erheblichen Beitrag dazu geleistet, dass ihr Mann heute noch lebt.

Sie glaubt nicht, dass es die Sätze ihres Mannes sein können, wenn er keinen Anwalt wolle und von ihr fordert, sie solle aufhören Twitter zu nutzen und die Anträge vor internationalen Institutionen zurückziehen: “Als hätte er das auswendig lernen müssen. Ich werde meinen Kampf fortsetzen.”

Zehra Türkmen ist die Ehefrau von Gökhan Türkmen. Auch sie will ihren Kampf weiterführen. “Ich werde meine Anträge vor internationalen Gerichten nicht zurückziehen. Ich werde diesen Rechtsstreit weiterführen. Ich werde die neun Monate, in denen mein Mann verschollen war, nicht einfach durchgehen lassen.”

Anwaltskammer darf keinen Anwalt stellen

Die Anwaltskammer von Ankara hat eine Gruppe beauftragt, die entführten sechs Personen zu treffen. Doch trotz klaren Gesetzen wurde ihnen der Zugang zu diesen Personen verweigert. Weil die Entführten die Aussage, “ich will keinen Anwalt” getätigt haben, sind auch der Anwaltskammer die Hände gebunden. Eine derartige Repression erlebt die Türkei vielleicht zum ersten Mal.

Der Menschenrechtsanwalt Kerem Altıparmak fasst die Situation mit diesen Worten zusammen:

“Die Menschen verschwinden monatelang. In dieser Zeit suchen die Familien verzweifelt nach ihren Geliebten. Nach mehreren Monaten taucht die Person dann auf und behauptet, er hätte sich versteckt. Der plötzlich wieder Aufgetauchte lehnt die Angebote für Unterstützung durch die Anwaltskammer und der Familie ab. Obwohl er die Situation kennt, in der seine Angehörigen stecken, gibt er keinen Mucks von sich. Er sagt dauernd, dass er mit einem Anwalt zusammenarbeiten will, den er nicht kennt. Eine Person, die monatelang auf der Flucht war, ist plötzlich ein Geständiger und offenbart weitere zahlreiche Namen. Diese Personen werden in speziellen Gerichten gesondert verurteilt. Was für ein Zufall, dass sich dieses Szenario bei allen Entführungen wiederholt.”

Der Menschenrechtler und HDP-Abgeordnete Ömer Faruk Gergerlioğlu spricht von auffälligen Ähnlichkeiten bei den letzten sechs entführten Personen:

“Das Verschwinden ist der wichtigste Bruch von Menschenrechten. Wir bekommen Informationen über Folter nach den Entführungen. Sie werden entführt und tauchen Monate später auf einer Polizeiwache wieder auf. In den letzten Entführungsfällen will keiner der gefundenen Menschen auf der Polizeiwache sprechen. Alle Ehepartner der Entführten glauben, dass ihre Partner nicht aus freiem Willen sprechen. Bei dem zuletzt gefundenen Gökhan Türkmen und den anderen entführten fünf Personen gibt es dieselbe Geschichte. Sie sind abgemagert, der Körper ist durch zu wenige Sonneneinstrahlen kreideweiß und sie verlangen allesamt, dass die Anträge vor internationalen Gerichten zurückgezogen werden. Immer dieselbe Situation. ”

Sondergericht

Das Sondergericht von dem Kerem Altıparmak spricht, ist das 34. Strafgericht von Ankara. Dieses Gericht ist in der Öffentlichkeit bekannt als das “MIT-Gericht.” Jene Prozesse, die vom türkischen Geheimdienst MIT verfolgt werden, werden seit September 2019 vor diesem Gericht durchgeführt. Ein Spezialgericht also, extra für den türkischen Geheimdienst eingerichtet.
Vier der Entführten wurden am 24. und 25. Oktober erstmals vor dieses Gericht gestellt. Der CHP-Abgeordnete Sezgin Tanrıkulu ist für seinen Kampf für Menschenrechte bekannt. Er wollte am ersten Prozesstag als Beobachter teilnehmen.

Tanrıkulu beschreibt seine Beobachtungen folgendermaßen: “Ich musste zusammen mit den Familien von Salim Zeybek und Özgür Kaya zwei Stunden lang herumlaufen, um zu erfahren, in welchem Gerichtssaal die beiden Herren verurteilt werden. Keine offizielle Stelle hat uns gesagt, in welchem Saal der Prozess stattfindet. Der eigene Saal des 34. Strafgerichts war leer. Es findet eine geheime Gerichtsverhandlung statt. Das ist ein Verbrechen. ”

Folterzentrum

Sechs Menschen, die seit Monaten verschwunden waren und jetzt nicht mit ihren Familien unbeobachtet sprechen können. Sie können ihre Anwälte nicht selber auswählen und Fälle werden vor geheimen Sondergerichten verhandelt. Im Gefängnis werden sie in Einzelhaft isoliert. So haben sie keine Gelegenheit um darüber zu berichten, welcher Folter sie während der Zeit ihres Verschwindens ausgesetzt waren.

Ganz anders war es bei Ayten Öztürk und Zabit Kişi. Sie wurden vor Februar 2019 verschleppt. Auch sie mussten in Folterzentren, die sie als “Bauernhof” bezeichnen monatelang. Doch sie konnten von der Folter berichten.

Ayten Öztürk

Ayten Öztürk

Vor Gericht konnten beide schriftlich und mündlich darüber berichten, was sie durchleben mussten. Die verschleppte Ayten Öztürk beispielsweise erzählt von Folter und Vergewaltigung:

“In das Folterzimmer wurde ich mit verbundenen Augen gebracht. Zuerst wurde ich ausgezogen und an den Händen an die Metallbefestigungen an der Wand gefesselt. Sie haben überall an meinem Körper dann mit einem Elektroschocker gedrückt und dann einige Zeit lang gehalten. Wenn sie das machten habe ich am ganzen Körper gezittert und ich habe dabei laut geschrien. Sie haben das so lange wiederholt, bis ich ohnmächtig wurde. Überall wo sie den Elektroschocker an meinen Körper gedrückt haben, haben sich zwei Wunden gebildet. Der Abstand zwischen ihnen betrug 2 cm. Als ich ins Gefängnis gebracht wurde haben meine Mitinsassen diese Wunden gezählt. Es gab 898 Wunden.

Wenn ich kurz davor stand ohnmächtig zu werden, haben sie mich zudem Platz mit dem Bad und WC gebracht und die Folter dort mit dem Wasserschlauch fortgesetzt. Sie haben stundenlang mit mir das Ertrinken simuliert.

Wenn der eine mit dem Wasserschlauch bereit stand hat der Andere mich festgehalten, damit der Sack über meinem Kopf sich mit Wasser füllt. Sie haben den Elektroschocker auch während des Ertrinken-Simulierens angewendet. Manchmal haben sie den Sack über meinem Kopf abgenommen und meine Auge geöffnet und in meinen Mund und meine Nase Wasser reingegeben.
Einmal ging versehentlich die Tür auf. Ich habe dann jemanden in Zivil und ohne Maske gesehen, etwa 45 Jahre alt, langes und schlankes Gesicht, Kinnbart, mit Brille, leicht graue Haare und kleinen Augen. Als er bemerkte, dass ich ihn gesehen habe, hat er schnell die Tür zugemacht und ist weggegangen. Weil ich ihn gesehen habe, haben sie die Folter intensiviert. Sie haben mich rund 5 Stunden mit Wasser gefoltert. In der restlichen Zeit des Tages haben sie mich in die Zelle oder in etwas wie einen Sarg gesteckt, in der ich stehen musste.

In dem was sie Sarg nannten war es unmöglich sich zu bewegen. In der Zelle ging bei jeder Gelegenheit die Zelle auf und es gab grobe Schläge, Drohungen und Beschimpfungen. Mindestens zwei Mal hat man mir bei dieser Gelegenheit heftige Schläge ins Gesicht und auf den Kopf gegeben. Sie haben damit solange weitergemacht bis mein Kopf und meine Nase stark geblutet, mein Gesicht und meine Augen angeschwollen und blau angelaufen sind. Sie haben mir Elektroschläge von meinem kleinen Finger und großen Fußzeh gegeben. Sie haben an meinen Fingern Metallringe angebracht und mittels einer Fernbedienung Elektroschläge gegeben. Einige Male bin ich bewusstlos geworden und konnte nicht mehr stehen. Wenn Sie mit den Elektroschocks aufgehört haben, haben sie versucht mit dem Schlagstock in mein Genitalbereich einzudringen. Sie habe alle möglichen Unsittlichkeiten versucht.

Zabit Kişi

Zabit Kişi

Der andere Verschleppte war Zabit Kişi. Kişi war 103 Tage lang in einem geheime Folterzentrum eingesperrt und erzählte vor Gericht, was er erlebt hat:

“Als ich in dieses Zentrum gebracht wurde, zog man mich komplett aus. Ich kann nicht schildern, was für eine Belästigung ich dabei erlebt und was für unsittliche Gespräche ich zu hören bekommen habe. Zwei Leute haben mich unter den Armen gegriffen und mich an so etwas wie eine Wand geworfen. Angefangen vom oberen Bereich meines Körpers haben sie meine Füße und andere Bereiche Strom ausgesetzt. Der Strom wurde zwischendurch immer stärker. Als ich in Sitzposition war, wurde meine Fußsohle nach oben gezogen und meine Zehen einzeln zerquetscht. Meine Zehen sind erst mehr als einen Monat später wieder so langsam gesund geworden. In Sitzposition wurden meine Hände in Handschellen gelegt, ich musste mit den Füßen auf die Handschellen treten. Ich hatte ein paar Tage lang Schwierigkeiten, während des Essens ein Löffel in der Hand zu halten. Da die Nerven zerstört waren, war die Sensibilität in den Fingern weg. Deshalb musste ich während meiner Zeit im Gefängnis Medikamente einnehmen. Als ich nackt war, wurde mir mit Vergewaltigung gedroht. Sie wollten mich mit einem harten Gegenstand vergewaltigen. Trotz meines Anflehens wiederholten sie das.

Als ich auf dem Boden saß, packten mich zwei Personen unter den Armen. Ich wurde dann mit einem harten Gegenstand geschlagen. Meine Rippen sind gebrochen. Bei jedem Ein-und Ausatmen habe ich ernsthafte Schmerzen gehabt, weil meine Rippen Druck auf die Leber ausgeübt haben. Ich hatte auch ernsthafte Atemprobleme und Herzprobleme, weil ich während der Folter mit einem Sack auf dem Kopf schnell und tief atmen musste. Dabei hat man von mir auch noch laute Antworten erwartet. Die Folterer wechselten, aber die Folter setzte sich intensivierend fort.”

Zabit Kişi und Ayten Öztürk haben von ihrer Folter berichtet. Dennoch hat das Gericht keine medizinische Untersuchung angeordnet. Wegen der schwerwiegenden Foltervorwürfe wurden zudem auch keine Ermittlungen eingeleitet.

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Trotz Beweisfotos sehen Richter keine Hinweise auf Folter

Es sind Bilder die zeigen, wie Dorfbewohner gefoltert wurden. Polizisten hatte die blutigen Köpfe ihrer Opfer gegen Toilettenschüsseln gedrückt und sich dabei fotografieren lassen. Das Gericht sah dennoch in den Fotos keinen Beweis für Folter. Die Peiniger sind ohne Konsequenzen davongekommen.

3.000 TL Geldstrafe auf Bewährung

Am 9. Juni 2017 hatte es einen Angriff auf die Polizeistation von Gevaş bei Van gegeben. Daraufhin wurden 4 Dorfbewohner festgenommen, die zuvor vom Pilze sammeln zurückgekommen waren. Auf dem Polizeirevier wurde die Männer stundenlang gefoltert. Die Sicherheitsbeamten hatten die Fotos sogar in den sozialen Medien geteilt. Auf den Bildern sind die vier Männer zu sehen, wie sie blutüberströmt von ihren Peinigern gefoltert werden. Das zuständige Gericht hat jetzt das Verfahren eingestellt. Das Berufungsgericht in Erzurum hat lediglich den Polizeibeamten O.Ş. zu einer Geldstrafe von 3.000 TL auf Bewährung verurteilt. Begründet hatte das Gericht sein Urteil zudem damit, dass es keine Folter sei, sondern eine Überschreitung des Rechts der Gewaltanwendung.

Belohnung für Täter

Die Richter sind der Auffassung, dass der Betroffene keine weiteren Straftaten begehen werde. Sollte der Polizeibeamte in den kommenden fünf Jahren keine Straftaten begehen, wird die Geldstrafe erlassen. Die Opfer sehen in dem Urteil eine Belohnung für die Täter, da diese praktisch ohne Strafe davonkommen werden.

Dorfbewohner waren Pilze sammeln

Vorausgegangen war ein Angriff auf das Polizeipräsidium von Gevaş bei Van am 9. Juni 2017. Danach wurden die vier Dorfbewohner von den Polizisten festgenommen, die auf dem Rückweg vom Pilzesammeln waren. Während ihres Polizeigewahrsams wurden Abdulselam Aslan (32), Cemal Aslan (53), Halil Aslan (48) und Nejdet Beysüm (29) von ihren Peinigern schwer misshandelt. In den Zeitungen tauchten Nachrichten unter dem Titel “4 Terroristen nach Anschlag auf Polizeipräsidium in Gevaş festgenommen” auf. Als die Beamten aber bemerkten, dass die Männer unschuldig sind, wurden sie wieder freigelassen.

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Woher stammt der Begriff „Blaue Heimat?“

“Blaue Heimat” ist nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 in der Türkei zu einem Begriff der türkischen Außenpolitik geworden, der richtungsweisend ist. Wer den Begriff und seine Herkunft versteht, versteht auch die heutige Türkei.

Von Fatih Yurtsever
(Übersetzt von Sven Weber)

Der Begriff “Blaue Heimat” wird in der türkischen Öffentlichkeit heftig diskutiert. Der Terminus wurde von Cem Gürdeniz eingeführt. Gürdeniz wurde in den Ermittlungen im Fall “Balyoz” (Vorschlaghammer) verurteilt und bezeichnet sich selbs als Gegner der sog. “Atlantiker.” Seit dem Putschversuch ist der Begriff immer wieder in der Öffentlichkeit aufgetaucht. Der Begriff gilt zudem als “national,” also etwas positives für das Land. Deswegen verdient der Terminus eine analyse.

Erstmals wurde der Begriff “Blaue Heimat” vom Admiral a. D. Cem Gürdeniz verwendet. Gürdeniz hatte in seinen Büchern, bei seinen Fernsehauftritten und Kolumnen die Inhaftierung von Marinekommandeuren kritisiert. Dahinter steckten die “Atlantiker” und ihr verlängerter Arm in dem Land, die sich von der Blauen Heimat gestört fühlten. Jetzt wird die Rettung im östlichen Mittelmeer gesucht. Doch was bedeutet der Begriff und wer hat ihn als erstes verwendet?

Die Öffentlichkeit ging zunächst davon aus, dass das Land einen Schwerpunkt auf ihre maritime Politik legen muss. Schließlich ist das Land von drei Seiten mit Meeren umzingelt. Die östlichen Breitengerade 26 – 45 und nördlichen Breitengrade 36 – 42 seien nach Gürdeniz die Verlängerung der türkischen Herrschaft auf dem Meer. Die Türkei habe damit in diesem Gebiet mehr Rechte als andere Anrainerstaaten. Das Meer ist damit die Verlängerung türkischen Bodens.

Begriff der tatsächlichen Heimat erodiert

Tatsächlich kann nach internationalem Recht ein Land auf seinem eigenen Boden und eigenen Gewässern herrschen. Wenn schon Gewässer als “Heimat” bezeichnet werden soll, sollte das auf die eigenen Gewässer beschränkts sein. Die Türkei braucht keine Begrifflichkeiten um ihre Interessen etwa im Mittelmeer zu schützen. Das internationale Recht und ihre eigene Haltung reichen dafür vollkommen aus. Wenn man Gwässer als Heimat bezeichnet, in der andere Staaten mit ihren Kriegsschiffen Manöver abhalten, so Gerat der Begriff in Erosion. Warum wird dann der Begriff diskutiert.

Dafür muss man Cem Gündüz und seine Anti-Atlantik-Front sowie seine Beziehungen zu China vor Augen führen. Gürdeniz ist nicht der Erfinder der Blauen Heimat, sondern des Importeur aus China.

Vom Begriff “Blue National Soil” abgeleitet

China sieht das östliche und südliche chinesische Meer als sein alleiniges Herrschayftsgebiet an. Um das zu erreichen verfolgt das Land die Strategie “Blue National Soil.” In diesen Gebieten geht es so vor wie in den Gewässern innerhalb der eigenen Grenzen. Das Riesenreich versucht hier den Luft- und Meerweg für Drittländern zu sperren. Erstmals wurde diese Strategier 2010 in einem Bericht in der “The State Oceanic Administration (SOA)” veröffentlicht. Danach wurde diese Gewässer als “Blaues Land” bezeichnet.

Anrainerstaaten fühlen sich von der chinesischen Expansionspolitik gestört. Die Philippinen woll deswegen ihre Rechte vor internationalen Gerichten durchsetzen lassen, weil es seine Rechte von China verletzt sieht. Die Entscheidung des ständigen Schiedshofs in Den Haag hatten den Philippinen in fast allen Punkten Recht gegeben.

Was soll mit der “Blauen Heimat” erreicht werden?

Die Türkei hat den Begriff von chinesischen xpansionspolitik übernommen und hat ihn damit zu eienm nationalen Terminus gemacht. Die ganze Politik zum östlichen Mittelmeer stützt sich darauf und das Land zahl dafür einen hohen Preis. Die türkische Marine wird derzeit von den größten Unterstützern der Blauen Heimat kommandiert. Verträge mit Ägypten und Zypern wurden verhindert. Im östlichen Mittelmeer ist die Türkei alleine.

Der Wirtschaftsvertrag mit Libyen wird derzeit ind er Türkei als Erfolg verkauft. Schaut man genauer hin, so entpuppt sich dieser als Niederlage. Zwar gibt es dutzende Argumente für die Türkei, in dem Gebiet Einfluss zu haben. Seinen Einfluss auf einen Vertrag mit einer umstrittenen Regierung zu stützen, von der man nicht weiß, ob und wie lange sie in Zukunft an der Macht sein wird, kann nur mit der Verschleierung anderer Dinge begründet werden.

Blaue Heimat ist ein nützlicher Begriff geworden um die falsche Politik im östlichen Mittelmeer zu verschleiern. Zudem sind sämtliche Diskussionskanäle zu dem Thema nicht mehr vorhanden. Diese Politik dient auch nicht den Interessen der Türkei. Cem Gürdeniz und seine Unterstützer sehen die Zukunft der Türkei an der Seite Chinas. Ähnlich war es im Osmanischen Reich: Damals hatte eine Gruppe von Offizieren, das sog, Komitee für Einheit und Fortschritt, auch bekannt als Ittihadisten,eine Koalition mit dem Deutschen Reich gebildet und das Land in den ersten Weltkrieg reingezogen. Mit dem Import des Begriffs und der Politik aus China verleirt die Türkei auch an Legitimation auf internationlem Parkett und wird im östlichen Mittelmeer mit ihren Vorhaben alleine sein. Diese Politik respektiert zudem die Rechte der Anrainerstaaten nicht. Die Türkei wird damit zu einem Land, dass den freien Seeverkehr nicht mehr respektiert. Die Türkei braucht derzeit keine Politik der Expansion, die aus der Blauen Heimat hervorgeht, sondern eine, die sich auf Diplomatie, internationales Recht und nationale Interessen stützt.

Der Text wurde für die deutsche Übersetzung redaktionell bearbeitet. Das Original finden Sie hier.

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Wissenschaftler Günebakan zu Flüchtlingen: „Ihr müsst euch nicht verstecken. Ihr habt eine gute Ausbildung.“

Islam Günebakan gehört zu den Wissenschaftlern , die nach dem Putschversuch 2016 entlassen wurden. Er fuhr danach Taxi und verkaufte Tomatenmark um zu überleben. Später floh er aus dem Land, indem er den Grenzfluss Mariza überquerte. Heute lebt er in Deutschland und macht den Flüchtlingen aus der Türkei Mut: “Hört auf Angst zu haben!” Bold hat mit dem Wissenschaftler gesprochen.

Von Cevheri Güven

(Aus dem Türkischen von Sven Weber)

Der Wissenschaftler Islam Günebakan hat an der Mustafa Kemal Universität unterichtet bis er nach demPutschversuch vom 15. Juli 2016 per Dekret entlassen wurden. Damals hatte er gerade seine Doktorarbeit beendet und wartete auf seine mündliche Stellungnahme vor der Universitätsjury. Dazu kam es aber niemals. Zunächst zog sich sein Betreuer und dann auch die Jury zurück.

Um seine Familie zu ernähren, fing der fünffache Vater an Tomatenmark verkaufen und Taxi fahren. Der Druck auf den Wisenschaftler wuchs aber immer mehr. Inzwischen wurde er in seiner Umgebung als Ungläubiger (“kafir”) bezeichnet. Um schlimmeres zu verhindern schwomm der Mann über den Grenzfluss Mariza ins griechische Nachbarland. Einige Wochen später organisierte er ein Schlauchboot und schaffte es auch seine Familie aus dem Land zu bringen.

Günebakan lebt mit seiner Familie in Deutschland und hat ein neues Leben begonnen. Nach dem er die Sprache gelernt hat, ist der Mann zu seinem eigentlichen Beruf zurückgekehrt und darf jetzt seine Doktorarbeit in seiner neuen Heimat beenden.

Die Lebensgeschichte von Günebakan ist voll von Verlusten und Siegen. Er hat auch Empfehlungen an neue Flüchtlinge aus der Türkei:” Habt keine Angst. Ihr müsst euch nicht in Deutschland verstecken. Ihr habt alle eine gute Ausbildung. Versucht eure Berufe auszuüben. Ihr werdet es schaffen.”

Warten auf das Ende der Doktorarbeit

Besonders enttäuscht ist Islam Günebakan von seinen ehemaligen Kollegen:
“Ich hatte gerade meine Doktorarbeit zu Ende geschrieben. Ich musste noch vor der Universitätsjury meine Doktorarbeit verteidigen. Weil ich aber per Dekret entlassen wurde, hat mein Betreuer Ibrahim Seyrek seine Aufgabe nicht mehr ausgeübt. Später hat sich ein anderer dazu Betreuer bereit erklärt und ich konnte vor der Universitätsjury meine Doktorarbeit verteidigen.

Als sie gemerkt haben, dass ich per Dekret entlassen wurde, haben sich die Jurymitglieder beraten und sich entschieden ihr Amt niederzulegen. Ich bin dann zum Leiter meines Fachbereichs Prof. Arif Özsağır gegangen, damit wir eine Lösung finden. Er sagte nur, dass niemand sich in meinem Fall bereit erklärt Jurymitglied zu werden. “Wenn es nach mir ginge, sollte man dich nicht einmal als Studenten akzeptieren. Man sollte dir sogar die Staatsbürgerschaft entziehen,” soll der Hochschulprofessor Özsağır gesagt haben.

“Auch wenn ich im Gefängnis sein oder verurteilt sein sollte darf das Recht auf Bildung nicht gehindert werden. Mein Recht auf Bildung wurde mir weggenommen, bevor überhaupt ein Gerichtsverfahren gegen mich angefangen hat – und das von Professoren,” empört sich der Wissenschaftler.

“Meine Familie behandelte mich wie einen Terroristen”

Neben der Entlassung per Dekret leidet Günebakan besonders daran, dass seine Familie ihn nicht unterstützt hat.
“Nachdem ich entlassen wurden, habe ich meine Mutter angerufen. ´Dann wärst du mit ihnen eben nicht in Verbindung gewesen,´war ihre Reaktion. Sie hat neben mir den Nachrichtensender “A Haber” (Anm. d. Red. Sender, der regelmäßig gegen Regierungsgegner hetzt und praktischer Kontrolle von Präsident Erdoğan ist). Sie hat sich die Flagge geschnappt und hat immer wieder an den “Demokratie-Meetings” teilgenommen. Später merkte sie wer im Recht und wer im Unrecht war. Aber ihre ersten Reaktionen haben sich in mein Herz eingebrannt.

Nach meiner Entlassung war ich zu einem meiner Brüder gegangen. ´wenn es einen Bürgerkrieg gäbe würde ich dich auf der Straße töten, egal ob Bruder oder nicht.´Ähnlich mein Schwiegervater. ´Wenn wir auf die Straßen (Anm. d. Redakton in den Bürgerkrieg) gehen sollten, wären die ersten, die ich erschieße meine Tochter und mein Schwiegersohn.´

´Der Staat darf das. Neben den Schuldigen wird es sicherlich auch Unschuldige geben. Das ist etwas notwendiges,´sagte mein Vater. Als ob das nicht reicht, bekamen meine Kinder in der Schule auch den Druck zu spüren, weil sie zu diesen oder jenen gehören sollen.”

Versuchen auf den Beinen zu stehen

Nach dem Günebakan entlassen wurde und keine Hilfe von seiner Familie bekommen hat musste er alleine einen Ausweg suchen.
“Zuerst habe ich Tomatenmark verauft. Aber das ist nur Saisonarbeit. In dieser Zeit hatte die Polizei bei mir zu Hause eine Razzia gemacht. Sie suchten nach mir. Mit einer gefälschten Identität habe ich dann angefangen als Taxifahrer zu arbeiten. Manchmal kamen die Polizisten zu unserem Taxistand um sich mit den Fahrern zu unterhalten. Sie wussten, dass ich per Dekret entlassen wurde. Eine von ihnen fragte mich, ob ich Fethullah Gülen mag. Ich erwiderte, dass ich respektiere. ´Dann bist du ein Ungläubiger,´sagte er zu mir. Alle dort waren wie festgefroren. Ich merkte, dass ich diesem Land nicht mehr die Chance habe zu leben. Ich entschied mich das Land zu verlassen.”

Schwimmend den Granzfluss Mariza überquert

Günebakan hatte den Menschenschmugglern nicht getraut. Er wollte den Grenzfluss Mariza alleine überqueren und später seine Familie rüberbringen. “Ich habe auf den Landkarten nach einer Möglichkeit gesucht, wo ich am besten rüberkommen kann. Meine Freunde, die zuvor den Fluss überquert hatten, rieten mir mit einem Taxi in die Nähe des Mariza zu fahren. Während ich rüberschwomm, hielt ich meine Tasche fest.

Als ich in Griechenland angekommen war, wollte ich zunächst dort bleiben. Ich ließ mich in Thessaloniki nieder. Es war dort sehr heiß. Ich besuchte einen Griechischkurs. Natürlich musste ich auch meine Ehefrau und unsere Kinder rausholen. Ich hatte versprochen zurückzukehren, wenn ich es nicht schaffe, sie auch ins Ausland zu bringen.

Ich hatte meiner Frau und einem Freund Koordinaten am Ufer des Mariza gegeben, zu dem sie kommen sollten. Ich hatte in Thessaloniki ein Schlauchboot gekauft und ein Auto gemietet, um ebenfalls zum Fluss zu gelangen. Ich musste das Boot mit meinem Auto aufpusten und hatte deswegen keine Kraft mehr. Die Strömung war sehr stark und ich hatte Schwierigkeiten das andere Flussufer zu erreichen. Neben meiner Familie hatte am anderen Flussufer auch die Familie meines Freundes gewartet. Wir waren dann zu zehnt im Boot, weswegen es sich kaum bewegt hat. Ich bin dann ins Wasser gesprungen und merkte, dass ich Boden unter den Füßen habe. Also schob ich dass Boot wieder zurück auf die griechische Seite.

In Thessaloniki hatten wir finanzielle Schwierigkeiten. Es gab eine Ausgabestelle, die Flüchtlinge jeden Tag zwei Mal mit Essen versorgte. Ich hatte dann von dort Essen für uns organisiert. Eine Zeit lang ging das so weiter. Es war sehr schwierig dort eine Arbeit zu finden.

Anfangszeit in Deutschland

Später habe ich meine Frau und Kinder auf eine gefährliche Schiffsreise nach Italien geschickt. Anschließend bin ich alleine nach Deutschland gekommen.

Mein Ziel war es in meinem Beruf weiterzumachen. Ich hatte rund 10 Professoren angeschrieben. An einer Universität gab es ein Programm, das sich ´Integrationskampuss” nennt. Ich hatte mich dafür beworben. Ich hatte ihnen dort erzählt, dass ich meine Doktorarbeit nicht beenden konnte. Ich wurde für das Programm akzeptiert und bekamm die Gelegenheit meine Doktorarbeit auf Englisch zu beenden. Ich entschied mich zuerst aber Deutsch zu lernen. Ein Professor der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hatte mich kontaktiert und jetzt arbeite ich an meiner Doktorarbeit. Ich besuche hier zudem Vorlesungen. Wenn ich meine Doktorarbeit beendet habe, würde ich gerne an der Universität bleiben.”

“Sprache lernen ist kein großes Problem”

Die neu ankommenden Flüchtlinge aus der Türkei müssten ihre Traumata und Ängste zurücklassen. Der Doktrand empfiehlt sich im Leben sichtbar zu machen. “An meinem Wohnort gibt es einen Ausländerbeirat. Die Mitglieder werden alle fünf Jahre gewählt. Sie entwickeln Projekte für Zuwanderer, damit sie sich besser integrieren können. Ich möchte mich auch zur Wahl stellen. Im Juli wird gewählt.

Wenn die Menschen in Deutschland ankommen, sehen sie das Lernen der neuen Sprach als großes Problem an. Sie denken, ohne die Sprache kann mich hier nicht einmal bewegen. In der Kommunikation gibt es drei wichtige Faktoren: Sprache, Ton und Körpersprache. Sprache sind etwa 20 Prozent der Kommunikation. Anfangs habe ich mich mit Englisch, Türkisch und ein wenig Deutsch verständigt. Es geht nicht nur darum fehlerfrei Deutsch zu sprechen, sondern eine Verbindung aufzubauen, seine Probleme erzählen zu können.

“Seid sichtbar und hört auf Angst zu haben”

“Ängste wie nicht hörbar nicht sichtbar sein, nicht wahrgenommen werden gibt es bei den neu ankommenden Flüchtlingen aus der Türkei. Das ist ein großes Hindernis beim Vorankommen. Das sind Ängste aus der Türkei. Sie haben sogar Angst in Gruppen der Messengerdienster “WhatsApp” und “Telegram” zu sein. Wir müssen das alles hinter uns lassen.

Nicht Sprache, sondern Angst ist das Problem

Ich bin zu einer Veranstaltung von “Amnesty” gegangen, als ich auf dem B1-Niveau war. Ich habe damals kaum etwas verstanden. Ich habe mich vorgestellt und erzählt, was ich in der Türkei durchgemacht habe. Ich wollte mithelfen. Sie sagten, dass sie bald in der Innenstadt einen Stand aufmachen werden und dass ich auch dabei sein könne. Inzwischen nehme ich an ihren wöchentlichen Veranstaltungen teil.

Wäre ich in der Türkei, wäre ich in Handschellen gewesen. Hier habe ich meine Freiheit. Der Staat gibt hier mir Möglichkeiten und tut hier mehr für mich als meine Eltern es für mich getan haben.Ich bin nicht auf andere angewiesen.

Flüchtlinge sollten also nicht nur zu einem Deutschkurs gehen. Sie sollten sich auch ehrenamtlich beteiligen. Wir sollten auch unsere Erfahrungen an die neuen Flüchtlinge geben, weil wir inzwischen auch eine gewisse Erfahrung gemacht haben.”

“Auch wenn man nicht in seinem alten Beruf arbeiten kann, dann wenigsten etwas ähnliches”

Günebakan teilt die Meinung vieler Flüchtlinge nicht, dass man hier nur gewöhnlicher Arbeiten werden können.
“Ab meiner Universität gibt es einen Studentclub. Sie entwickeln dort Autoprototypen. Ich habe mich bei ihnen als freiwilliger Helfer beworben. Jetzt mache ich die Mitgliederkartei und kümmere mich um die Emails und das, als ich noch auf B1-Niveau war. Es hat sehr viel dabei geholfen die Sprache zu lernen.

Die meisten der Flüchtlinge aus der Türkei sind Lehrer. Zunächst hieß es, dass solche in ihrem alten Beruf in Bayern nicht arbeiten könnten. Manche wollten gewöhnlicher Arbeiter oder LKW-Fahrer werden. Vielleicht kann man nicht an einer regulären Schule arbeiten, aber im Bildungsbereich gibt es auch andere Möglichkeiten, z.B. An Nachhilfeschulen.

Sagt nicht ´ich kann nicht als Lehrer werden und deswegen werde ich LKW-Fahrer.´Wenn ihr nicht in euren Fächern arbeiten könnt, dann zumindest in einem anderen Fach.

 

Der Text wurde für die deutsche Übersetzung redaktionell bearbeitet. Das Original finden Sie hier.

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