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Menschenrechte

Ümit Horzum: “Ich wurde entführt und gefoltert”

Immer häufiger kommen in der Türkei neue Details von Entführung und Folter durch den türkischen Geheimdienst MIT an die Öffentlichkeit. Entgegen den Versprechungen der türkischen Regierung gegen Folter eine Null-Toleranz Politik zu verfolgen, sprechen Aussagen von Folteropfern vor türkischen Gerichten eine deutliche Sprache. Zuletzt wieder Ümit Horzum, der auch zu der Gruppe von Entführten gehört, die mit einem schwarzen Transporter verschleppt wurden.

Cevheri Güven

BOLD Exklusiv – Nach dem 6. Dezember 2017 kam von Ümit Horzum kein Lebenszeichen mehr. Familie und Freunde waren viele Monate wegen der Ungewissheit in großer Sorge, denn auch die Behörden erteilten keine Auskünfte und ließen die Familien im Dunkeln tappen. Schließlich kam heraus, dass Horzum zu der Gruppe gehört, die mit einem schwarzen Transporter entführt wurden.

Auf identische Art und Weise wurden rund 30 weitere Personen am helllichten Tag entführt. Alle wurden in schwarze Transporter gezogen und verschleppt. Einige von ihnen sind immer noch nicht aufgetaucht. Andere wiederum tauchten Monate später in Polizeirevieren auf. Immer wieder der gleiche Vorgang, nach dem die Opfer auftauchen: Selbstanzeige. Die Meisten sollen der Gülen-Bewegung nahe stehen. Die Bewegung rund um den im US-Exil lebenden Prediger wird in der Türkei als terroristisch eingestuft. Präsident Erdoğan wirft den Anhängern vor hinter dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 zu stecken. Gülen hat eine Beteiligung stets abgelehnt und eine internationale Untersuchung zur Ermittlung der tatsächlichen Schuldigen gefordert. Was auch immer dabei rauskomme, würde er es akzeptieren, selbst bei einem Ergebnis gegen seine Bewegung, so Gülen in seinen Interviews kurz nach dem Putschversuch. 

Die großen Leidtragenden

Die größten Leidtragenden dabei sind die Menschen, die als sogenannte Gülen-Anhänger politisch sowie zivilgesellschaftlich isoliert und diskriminiert werden. Besonders schlimm trifft es bisweilen diejenigen, die in der Türkei oder im Ausland durch den türkischen Geheimdienst MIT entführt und monatelang gefoltert werden. Ümit Horzum tauchte 132 Tage nach seiner Entführung in einem Polizeirevier in Ankara wieder auf. Seine Aussage habe er unter Zwang gemacht. Auf dieser Grundlage hätte man zahlreiche weitere Personen als angebliche Gülen-Anhänger festgenommen. Denn Horzum musste ein vorgefertigtes Schreiben unterschreiben, in dem die Namen von 100 weiteren Personen standen. 

In den vergangenen Tagen wurde Horzum vor Gericht gestellt. Kein Termin in seinem Fall, sondern einer der Personen, die durch seine erzwungene Unterschrift inhaftiert wurden. Ümit Horzum war also als Zeuge geladen. Dort hat Horzum die Gelegenheit genutzt, von seinen schrecklichen Erlebnissen zu berichten. Auch wenn in zusammengefasster Form, sind seine Schilderungen nun in den Gerichtsakten dokumentiert. Horzum behauptet, entführt und gefoltert worden zu sein. Auch seine unterschriebenen Aussagen hat Horzum vor Gericht zurückgezogen und abgelehnt. 

132 Tage Folter

Die Passage in dem Gerichtsprotokoll hat Bold im Wortlaut übersetzt:

“Ich kenne den Angeklagten nicht. Am 06.12.2017 war ich mit meinem Auto in (Ankara) Etlik unterwegs, als mein Fahrzeug durch ein anderes Fahrzeug gekreuzt wurde. Aus dem Wagen stiegen einige Personen aus, die mich in das Fahrzeug gesteckt und weggefahren haben. Sie haben mir einen Sack über den Kopf gestülpt und mich so weggefahren. Am 16.04.2018 wurde ich durch diese Personen dem Personal des Polizeireviers in Ankara übergeben. Zuvor wurde ich gefoltert. Aufgrund der psychischen Folter auf dem Polizeirevier wurden mir Aussagen aufgezwungen. Ich musste ein Identifizierungsprotokoll unterschreiben, obwohl ich keine Identifizierungen gemacht habe. Außerdem wurde ich vor der Überlieferung ans Polizeirevier bedroht und manipuliert. Zudem möchte ich hinzufügen, dass eine vorgefertigte Aussage mit mir zusammen beim Polizeirevier abgeliefert wurde.” In dem Dokument sollen rund 100 Namen gestanden haben, die er gegen seinen Willen unterzeichnen musste. 

Die Wenigsten konnten über die Folter reden

Nur sehr wenigen Entführten ist es bislang gelungen über ihre schrecklichen Erfahrungen zu reden. Doch das Szenario wiederholt sich immer wieder. Entführte tauchen entkräftet und körperlich sowie seelisch völlig krank in Polizeirevieren wieder auf. Danach werden sie verhaftet. Sie werden in Isolationshaft gesteckt und auch bei dem Besuch durch ihre Familien nicht allein gelassen. Selbst mit ihren Anwälten können sie nicht alleine reden. Die Rechtsanwaltskammer von  Ankara hat in den Fällen der sechs Entführten vom Februar 2019 einen ausführlichen Bericht veröffentlicht. Am 13. Februar 2020 wurde dieser Bericht als Anhang einer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Ankara eingereicht. Bei Besuchsterminen der Familie und bei Treffen mit ihren Anwälten würden die Betroffenen keine Privatsphäre haben. Termine würden in ständiger Begleitung durch Wachpersonal oder Polizisten durchgeführt. Aus diesem Grund könnten die Opfer nicht von ihren Erlebnissen erzählen. Zudem würde man ihnen das Recht auf eine freie Wahl des Anwaltes verweigert. Sie müssten sich mit staatlich zugeteilten Pflichtverteidigern genügen. Eine denkbar komplizierte Einschränkung. 

Schilderungen von Fotler decken sich 

Ayten Öztürk, Zabit Kişi und Gökhan Türkmen gehören zu den wenigen Betroffenen, die von ihrer Misshandlung berichten konnten. Die wenigen Aussagen, die sie machen konnten sind Deckungsgleich. Ayten Öztürk wurde am 13. März 2018 in ein Folterzentrum entführt. Sie erzählte vor dem 3. Strafgericht von Istanbul über die Folter, die sechs Monate gedauert habe. Auch diese Aussagen hat Bold aus den Gerichtsakten ins Deutsche übersetzt.

„In die Folterkammer wurde ich mit verbundenen Augen gebracht. Zunächst wurde ich ausgezogen und dann hing man mich am Handgelenk an die Decke. An jeden Punkt meines entblößten Körpers hielten sie einen Stromschläger und drückten einige Zeit drauf. Als sie dies taten schrie ich vor Schmerzen so laut wie es mir überhaupt möglich ist. Das ging so weiter bis ich das Bewusstsein verlor. An den Druckstellen sind Risse entstanden. Flecken mit jeweils 2 cm Abstand zueinander. Als ich aus dem Folterzentrum freigelassen und verhaftet wurde, haben meine Freunde aus dem Gefängnis meine Wunden und Hämatome gezählt. Es waren 898 an der Zahl. Manchmal haben sie mich kurz vor der Ohnmacht zu den Duschen gebracht und mich mit Hochdruckwasser wach gehalten und so weiter gefoltert. Sie haben mich oft stundenlang mit der Methode des Ertrinkens gefoltert. Den Rest dieser Tage wurde ich in eine sehr enge Zelle oder in Sarg-ähnliche Boxen gestellt und musste dort viele Stunden einfach stehen. In diesem „Sarg“ war es unmöglich sich zu bewegen. In der Zelle hingegen konnten sie jederzeit reinkommen und prügeln.“

Ein anderes Opfer ist Zabit Kişi. Am 30. Oktober 2017 wurde Kişi entführt. Auch er konnte vor Gericht seine Erlebnisse schildern. Die Ausführungen waren wieder enorm grauenhaft:

„Ich wollte unbedingt sterben. Ich verurteile Selbstmörder nicht mehr. In einer 3 Quadratmeter-Box, ein Ort wie ein Sarg, ohne jegliches Tageslicht, ganze 108 Tage systematisch gefoltert werden. Das habe ich erlitten. Als würde das nicht reichen, haben sie mich mit meiner Familie bedroht, die im Ausland lebt. Sie würden irgendwelche Leute bezahlen, damit sie ihnen wehtun. Sie würden sie auch entführen und ihnen dieselbe Folter antun, die sie mir antaten. In den Phasen, in denen ich nicht gefoltert wurde, habe ich aus den anderen Räumen Foltergeräusche gehört. In dieser Phase bin ich von 105 kg auf 75 kg runtergegangen. 

Gökhan Türkmen hingegen war das letzte Opfer, der von seinen Erlebnissen berichten konnte. Er wurde am 7. Februar 2019 verschleppt und blieb 9 Monate verschollen. Danach tauchte auch er plötzlich im Polizeirevier in Ankara wieder auf. Auch ihm gelang es vor Gericht zu erzählen, dass er entführt und gefoltert wurde. Vor dem Richter wandte er sich zu seiner pflichtverteidigerin Anwältin Ayşegül Yılmaz und sagte: „Diese Anwältin habe ich nicht ausgesucht. Sie ist ab sofort von meinem Fall freigestellt.“ Damit wurde es erstmals klar, dass den Folteropfern loyale Anwälte gegenüber dem türkischen Staat zugeteilt wurden.

Menschenrechte

Aus der Türkei nach Deutschland geflüchtet: Nuklearmediziner wird in den USA zu Coronavirus forschen

Murat Sadıç ist Experte in Nuklearmedizin. Er gehört zu den Wissenschaftlern, die nach dem Putschversuch 2016 per Dekret entlassen und später verhaftet wurden. Heute lebt er als Flüchtling in Deutschland. Der Wissenschaftler forscht zum Thema Coronavirus. Er wird demnächst seine Arbeiten in den USA fortsetzen. BOLD führte ein Gespräch mit dem Wissenschaftler.

von Cevheri Güven

Während in den Krankenhäusern weltweit der Kampf gegen das Coronavirus anhält, versuchen Wissenschaftler ein Impfmittel gegen den gefährlichen Erreger zu finden. Zu ihnen gehört auch der Experte für Nuklearmedizin Murat Sadıç. Der Mediziner wurde nach dem Putschversuch zunächst per Dekret entlassen und später verhaftet. Später hat er es geschafft nach Deutschland zu flüchten.
Der Nuklearmediziner hat mit BOLD über zwei seiner Projekte zum Coronavirus gesprochen. „Es gibt noch keine spezifische Therapie zum Coronavirus. Wissenschaftler arbeiten gerade an einem Impfmittel und einem Medikament,“ erzählt der Wissenschaftler. Bei meiner Arbeit benutze ich die Nuklearmedizin.“

Die Methode an der Sadıç arbeite sei ähnlich wie der in der Krebstherapie. „Besonders in den vergangenen 4-5 Jahren ist das sehr populär geworden und hat in verschiedenen Krebsarten eine neue Ära eingeläutet. Wir nennen dieses Verfahren Theranostik – eine Zusammensetzung von Therapie und Diagnostik.“

In der anderen Arbeit des Wissenschaftlers gehe es um Antikörper. „Unsere Antikörper sind unsers natürliches Abwehrsystem. Es gibt Überlegungen, wonach Antikörper von Außen in den Körper injeziert wird. Das ist allerdings noch in einer Testphase,“ so Sadıç. In meiner Arbeit geht es um Antikörper, die wir gegen das Virus entwickelt haben mit einem radioaktiven Mittel zu verbinden und dieses direkt in die Region des Virus zu geben. Es ist ähnlich wie bei der effektiven Behandlung von Lymphknoten.“

Offenbar wird der Wissenschaftler nicht sehr lange in Deutschland bleiben. „Es ist sehr sanstrengend und es dauert sehr lange hier in Deutschland als Arzt sein Diplom anerkannt zu bekommen. In den USA gibt es ein Visaprogramm für solche, die in ihren Bereich außergewöhnliches geleistet haben. Ich habe dahin meinen Antrag geschickt und wurde als „außergewöhnlicher Wissenschaftler anerkannt.“

Die USA haben offenbar niedrigere Hürden bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen als andere Länder. „Wegen des Coronavirus hat die USA ihre Tore für Ärzte geöffnet. Ich habe die US-Borschaft über meine Arbeit in dem Bereich informiert. Sie haben sich sofort zurückgemeldet und wollten einen kurzen Lebenslauf. Und ich habe ihnen mein Projekt erklärt.“ Demnächst soll eine Einladung des zuständigen US-Konsulats zu einem Interview erfolgen.

Einladung von der Harvard Universität

„Ich hatte bereits zuvor eine Einladung der Brigham and Women’s Hospital von der Harvard Universität. Die Formalitäten halten noch an. Sobald diese beendet sind werde ich in die USA reisen und dort meine Arbeiten zum Coronavirus fortsetzen,“ erzählte der Wissenschaftler Murat Sadıç im Gespräch mit BOLD.

In der Türkei war der Wissenschaftler sehr erfolgreich. „In der Türkei habe ich an einigen Projekten gemeinsam mit der TÜBITAK (Türkische Anstalt für Wissenschaftliche und Technologische Forschung) gearbeitet. Zuletzt habe ich im Ausbildungs- und Forschungskrankenhaus in Ankara im Bereich Nuklearmedizin gearbeitet. Nach dem Putschversuch wurde zunäcsht meine Frau mit dem Dekret 672 entlassen. Danach wurde sie wegen ihres Bankkontos verhaftet. Unser Kind war damals anderthalb Jahre alt gewesen. Seine Mutter war weg und es konnte nicht mehr gestillt werden. Weil meine Frau per Dekret entlassen wurde, wurde auch ich entlassen. Danach wurde ich mit ähnlicher Begründung festgenommen. Ich hatte im Gefängnis eine sehr schwierige Zeit durchgemacht.

Vom Labor in die Grube 
Der Wissenschaftler hat es nach dem Putschversuch schwer gehabt. Während er in seinem Labor forschte wurde er verhaftet. „Der Staatsanwaltschaft sagte zu mir ´ich möchte eigentlich keinen Wissenschaftler wie dich verhaften lassen, aber so sind die Anweisungen aus Ankara.´ Ich höre diese Worte immer noch. Ich wurde in einer überfüllten Zelle im Gefängnis von Ankara-Sincan drei Wochen festgehalten.“ Danach sei der Nuklearmediziner ins Gefängnis von Amasya gebracht worden. Das habe man getan, damit er von seiner Familie weiter entfernt ist. Dort sei er unmenschlicher Behandlung ausgesetzt worden. „Ich wurde in eine acht bis neun Quadratmeter große Zelle geworfen, wie wie eine Grube war. Diese Zelle bekam kein Sonnenlicht ab. Es gab Zeiten, wo ich weder mit meinem Anwalt noch mit meiner Frau sprechen durfte. Ständig wurde ich beleidigt und man hat versucht meinen Willen zu brechen.“

Täglich 15 Minuten Wasser
Der Sommer war sehr heiß. Es gab am Tag nur 15 Minuten Wasser, und das morgens zwischen 4:00 Uhr und 4:15 Uhr. Es war nicht erlaubt, Wasser aufzubewahren. Unser Essen und Einkäufe aus der Kantine wurden von der Gefängnisleitung limitiert. Über die Mäuse und Insekten will ich erst gar nicht anfangen,“ erzählt der Wissenschaftler BOLD.

„Wegen der Umstände dort hat sich ein Tumor an meinem Fuß gebildet. Ich bin Arzt ud kenne das. Ich habe zehn Anträge gestellt, aber ich wurde nicht ins Krankenhaus gebracht. Ich konnte nicht mehr laufen. Ich habe auch keine Schmerzmittel bekommen. Später durfte ich mit dem Gefängnisarzt reden. Der hat mich dann ins Krankenhaus geschickt, wo der Tumor entfernt wurde.

Erfolge wurden zu Straftaten erklärt
Gerechtigkeit habe Murat Sadıç in der Türkei keine erfahren. „Vor Gericht wurde mir nicht erlaubt mich zu verteidigen. Meine Verurteilung ging schnell. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer über einen 29-jährigen gesprochen, der der jüngsten Privatdozent der Türkei sei, in den USA ausgebildet wurde und dort Prüfungen bestanden hat. Nach meiner Strafe wurde ich entlassen.

Nach meiner Entlassung bekam ich keine Arbeit. Weil ich per Dekret entlassen wurde, bekam ich nicht einmal Antworten auf meine Bewerbungen. Wir wurden wie Geister behandelt und wurden dem sozialen Tod ausgesetzt. Weil mein Reisepass beschlagnahmt wurde, durfte ich nicht ins Ausland. Ich musste dann mit meiner Frau und unserem kleinen Kind flüchten.

Von mir wurden rund 100 wissenschaftliche Artikel in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Ich wurde ausgezeichnet. Ich wollte meinem Land und der Menschheit förderlich sein. Aber in der Türkei war es mir weder erlaubt zu arbeiten noch zu leben. Die Welt besteht aber nicht nur aus der Türkei. Für mein Land ist es schade.

Viele der Wissenschaftler, die mich ausgebildet haben, wurden ebenfalls per Dekret entlassen. Viele wurden vor Gericht freigesprochen aber dennoch dürfen sie nicht in ihrem Bereich arbeiten. Sogar ein Freispruch ist keine Lösung in der Türkei. Wo es kein Recht gibt gibt es auch keine Gerechtigkeit.“

 

Die deutsche Übersetzung wurde redaktionell bearbeitet. Das Original finden Sie hier.

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Menschenrechte

Gefängnisse schließen Kantinen: Kein Obst und Gemüse während Corona-Krise

Während die Diskussion in der Türkei anhält, ob auch politische Gefangene von einer Amnestie profitieren sollen, kommen immer mehr schlechte Nachrichten aus den Haftanstalten. Die Kantinen sind geschlossen. Die Gefangenen können damit weder Obst, Gemüse oder andere Lebensmittel kaufen.

von Cevheri Güven

Seit Tagen mehren sich die Nachrichten über Coronafälle in den türkischen Gefängnissen Gleichzeitig wurden den Gefangenen die Möglichkeit genommen durch den Kauf verschiedener Lebensmittel ihr Immunsystem zu stärken. Die Kantinen, in den Häftlinge etwa Obst oder Gemüse kaufen konnten, wurden offenbar geschlossen. Das erzählten verschiedene Gefange ihren Angehörigen an den Besuchstagen. Oft sei auch das Essen der Gefängnisse nicht ausreichend. Gefangene könnten dadurch Hunger leiden.

In den Gefängnissen soll es eine Bekanntmachung gegeben haben, dass die Kantinen für einen Monat geschlossen würden und die Häftlinge in den Kantinen für diese Zeit einkaufen sollten. Kurze Zeit später seien die Kantinen geschlossen worden.

Gerade in den Zellen für bis zu 40 Gefangene sei es schwierig Lebensmittel für einen Monat zu lagern, da es keine Kühlschränke dort gebe. Das Lagern von Obst und Gemüse ist für Gefangene praktisch unmöglich.

Vitamine von draußen nicht erlaubt

Aus Angst vor dem Coronavirus wollen viele Angehörige den Gefangenen Vitamintabletten geben. Damit soll vor allem das Immunsystem der Gefangenen gestärkt werden. Das wird von den Gefängnisleitungen allerdings nicht erlaubt.

Die Angehörigen berichten von schwachen Immunsystemen bei ihren Angehörigen, weil diese auch zu wenig Sonne sehen. Die Gefangenen erwarten daher schwierige Zeiten. Die Angehörigen fordern deswegen eine Gleichheit beim bevorstehenden Amnestiegesetz wegen der Corona-Krise. Bislang sollten politische Häftlinge etwa nicht von einer Amnetsie profitieren können.

Bisherige Regelung in den Gefängniskantinen

Die Gefängniskantinen verdienen viel Geld mit ihren Verkäufen. Gefangene hatten bislang die Möglichkeit einmal pro Woche in einem Formular ihre Bestellungen aufzugeben. Diese Kantinen wurden immer wieder in der Vergangenheit wegen ihrer hohen Preise im Vergleich zu den Supermärkten kritisiert. Auch hatte es immer wieder Kritik gegeben, weil die Haftanstalten zu wenig Essen ausgaben und die Gefangenen gezwungen waren in den Kantinen einzukaufen.

 

Die deutsche Übersetzung wurde redaktionell bearbeitet. Das Original finden Sie hier

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Menschenrechte

Künstler, Autoren und Politiker fordern Freiheit für politische Gefangene

Die Corona-Krise hält die Türkei weiter in ihrem Griff. Gesundheitsminister Fahrtetin Koca hat die aktuellen Zahlen veröffentlicht. In den vergangenen 24 Stunden sollen demnach weitere 79 Menschen ums Leben gekommen sein. Die Zahl der durch das Coronavirus gestorbenen ist damit auf 356 gestiegen. Insgesamt liege die Zahl der Infizierten inzwischen bei 18.135. Bei 82 Prozent der Todesfälle in den vergangenen 24 Stunden handelt es sich um Personen über 60 Jahren.

Unterdessen wird der Druck auf die Regierung wegen des anstehenden Amnestiegesetzes immer größer. Mit dem neuen Vorhaben sollen Gefangene aus den Haftanstalten entlassen werden. Ausgenommen wären aber politische Häftlinge. Diese wurden wegen Terrordelikte verurteilt. In den Gefängnis würde ein Ausbruch verheerende Folgen haben.

Deswegen fordern immer mehr Künstler, Autoren und Menschen aus der Politik die Regierung von Präsident Erdoğan auf politische Gegner nicht von der Amnestie auszuschließen. Hier einige Stimmen:

Lale Mansu (Schauspielerin): „Wie auch die UN von euch verlagt will ich auch, dass politische Häftlinge in das Amnestiegesetz eingeschlossen werden. Wenn ihr nur ein wenig Gewissen habt werdet ihr das tun.“

Akın Birdal (Politiker): „Zuerst müssen poltische Gefangene wie Journalisten, Menschenrechtler, Rechtsanwälte, Autoren und Studenten freigelassen werden. Die Geleichheit im Amnestiegesetz wird den Bedürfnissen der Gesellschaft gerecht und einen wichtigen Schritt in Richtung gesellschaftlichen Frieden machen. Es muss eine Gleichheit im Amnestiegesetz geben. Die Tore der Gefängnisse sollen geöffnet werden damit jeder zu Hause sein kann.“

Eren Keskin (Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin): „Die Verfassung der Türkei, die von Putschisten geschrieben wurde, sagt in Artikel 10: ´Jeder ist vor dem Gesetz gleich.´ Deswegen verstößt eine Ungleichheit im Amnestiegesetz gegen die Verfassung.“

Aus der Literatur fordern u.a. Freiheit für politische Gefangene:

Şükrü Erbaş, Ahmet Telli, Hicri İzgören gibi isimlerin yanı sıra oyuncular Lale Mansur, Jülide Kural, Deniz Türkali, Suavi, Feryal Önel, dansçı Zeynep Tanbay und Gülten Kaya.

Aus der Politik:

Nuray Mert, Eren Keskin, Canan Kaftancıoğlu, Akın Birdal, Ufuk Uras, Gülseren Onanç, Vahap Coşkun, Mehmet Altan, Ali Bayramoğlu, Neşe Özgen, Sevtap Yokuş, Onur Hamzaoğlu.

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