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Menschenrechte

Das Drama des Autisten Hamza: Mutter krebskrank, Vater hinter Gittern

Mit nur 19 Jahren hat Hamza Tarık Durmuş schon viel in seinem Leben erlebt. Hamza ist Autist und schwerbehindert. Sein Vater sitzt hinter Gittern. Die Pflege des Jungen ist für die krebskranke Mutter alles andere als einfach. 

BOLD – Hamza Tarık Durmuş ist gerade einmal 19 Jahre alt. Doch für sein junges Alter hat er schon ziemlich viel erlebt. Er gehört zu den Kindern, die in der Zeit nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 in der Türkei viel Leid erleben mussten. Hamza ist Autist. Er gilt mit 98% Behinderung als schwerbehindert. Der Abgeordnete der prokurdischen Partei HDP, Ömer Faruk Gergerlioğlu, macht in seinem Social Media Kanal auf das Leid des Jungen aufmerksam. 

Die Mutter von Hamza ist krebskrank. Der Vater sitz im Gefängnis. Weil er als Lehrer an einer Gülen-nahen Schule gearbeitet hat, werden ihm Verbindungen zur Bewegung rund um den im US-Exil lebenden Prediger Fethullah Gülen nachgesagt, die der türkische Staat für den Putschversuch von 2016 verantwortlich macht. Auch knapp vier Jahre nach dem gescheiterten Putschversuch gibt es für diese Behauptung aber keine Belege. 

Regelmäßige Betreuung der Eltern notwendig

Gergerlioğlu berichtet, dass Hamza Zuhause kaum kontrollierbar ist. “Er macht alles kaputt. Sogar seinen eigenen Stuhlgang nimmt er in den Mund”, schreibt der HDP-Politiker über den Autisten und fordert die Freilassung des Vaters. Da die Mutter krebskrank sei, habe sie keine Kraft mehr den Jungen zu pflegen und zu kontrollieren. Das ist aber laut ärztlichem Attest absolut notwendig. In einem Arztbrief des “Dokuz Eylül Universitätsklinikums” in Izmir aus Ende Oktober 2019 heißt es, der Junge brauche eine tägliche und regelmäßige Betreuung durch die Eltern. Er sei schwerbehindert und habe Emotions- und Verhaltensstörungen. Deshalb brauche er die tägliche und regelmäßige Betreuung der Eltern. Ohne eine Unterstützung könne er die täglichen Lebensaktivitäten nicht erbringen. 

Hamza hat außerdem noch einen jüngeren Bruder. Dadurch ist die derzeit alleinerziehende und krebskranke Mutter zusätzlich überfordert. 

 

Menschenrechte

Ahmet Altan aus Gefängnis: „Kefir im Kampf gegen Coronavirus“

Der Journalist Ahmet Altan sitzt seit vier Jahren im Gefängnis von Istanbul Silivri. Er musste seinen 70. Geburtstag in der Haft verbringen. Jetzt berichtet der Intellektuelle von den Corona-Maßnahmen der türkischen Regierung in den Haftanstalten.

BOLD — Rund 42 Monate hat Ahmet Altan bislang in türkischer Haft verbracht. Allem Anschein nach wird der Schriftsteller auch die weltweite Corona-Pandemie, die auch die Türkei nicht verschont lässt, im Gefängnis verbringen. Doch mit dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus wird in der Türkei der Schutz von Gefangenen diskutiert. Eine Ausbreitung in den ohnehin überfüllten Haftanstalten würde zu einer Katastrophe führen.

In einem Telefonat mit seiner Tochter Sanem habe Altan über die praktischen Maßnahmen der türkischen Regierung zum Schutz der Insassen gesprochen. Er mache sich größere Sorgen um seine Kinder. “Um mich müsst ihr euch nicht sorgen. Sie haben uns Kefir gegeben”, so Altan sarkastisch. Das Telefonat habe 10 Minuten gedauert. Nur so viel Zeit wird einem 70-jährigen Ahmet Altan gewährt, um mit seinen Liebsten zu telefonieren. Über den witzigen Satz ihres Vaters habe die Tochter geweint und gelacht zugleich, berichtet sie. 

Ahmet Altan wird wegen Unterstützung einer bewaffneten Terrororganisation bestraft. Er wurde in dieser Sache zu 10 Jahren und 6 Monaten Haftstrafe verurteilt. Noch im November vergangenen Jahres wurde Altan trotzdem für eine Woche aus der Haft entlassen. Ehe seine Freilassung am achten Tag durch das 27. Strafgericht von Istanbul wieder aufgehoben wurde und er erneut ins Gefängnis musste. 

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Menschenrechte

Coronavirus: Amnestie in der Türkei soll nicht für Journalisten gelten

Mit einer Justizreform in der Türkei sollen Häftlinge aus den Gefängnissen entlassen werden. Ein Ausbruch des Coronavirus würde in den Haftanstalten mangels Hygiene und medizinischer Versorgung katastrophale Folgen haben. Von der Amnestie sind aber solche, die wegen Terrordelikten verurteilt wurden, ausgenommen. Die über 100 Journalisten in den türkischen Gefängnissen müssten also weiterhin hinter Gittern bleiben. Die Kinder der Journalisten sind alarmiert und versuchen in den sozialen Medien auf den Missstand ausmerksam zu machen.

Sıla Türköne ( Tochter von Mümtazer Türköne):
„Mein Vater ist 64 Jahre alt und seit drei Jahren und sieben Monaten im Gefängnis. Er hatte vor sieben Monaten Komplikationen an seinem Herz. Weil eine Ader verstopft war wurde eine Gefäßstütze (Stent) implatiertiert. Eine andere Ader ist immer noch verstopft. In dieser Zeit dürfen wir nur einmal pro Woche seine Stimme hören.“

Esma Böken (Tochter von Ahmet Böken):
Wäre mein Vater ein Drogenbaron oder Vergewaltiger, kämer er frei. Als er Leitungskraft warm wurde „TRT Haber“ als bester Nachrichtensender in Europa gewählt. Weil er die Ausgaben auf ein Viertel gesenkt hat wird er weiterhin im Gefängnis bleiben.

Büşra Şimşek: (Tochter von Yakup Şimşek):
„Bevor es ein Kontaktverbot gibt, wollte ich ins Gefängnis von Istanbul Silivri. Ich hoffe, sie sagen mit ich könne meinen Vater mitnehmen. Im Gefängnis werde aber die ersten Maßnahmen getroffen. Die Gefangenen haben kein Vertrauen mehr. Wieviele Tests wurden bei kranken Gefangenen durchgeführt? Welche Medikamente helfen den Gefangenen, wenn Sie krank sind? Die Vollzugsbeamten betreten die Zellen ohne Masken. Wenn die Vollzugsbeamten von den Gefangenen ermahnt werden sagen diese nur „sei nicht so zimperlich.“ Lasst die Inhaftierten frei.“

Ebrar Beyza Özcan (Tochter von Zafer Özcan):
„Das Gefängnis ist ein Platz wo man in engstem Raum miteinander lebt. In einer Zelle für zehn Personen sind 26 Personen. In unserem Einkaufskorb ist kein Platz für Desinfektionmittel und Feuchttücher. Unsere besten Freunde sind Seifen. Wir waschen unsere Hände oft und hoffen, dass jemand uns beschützt und über unser Weiterleben entscheidet. Wir sind innerlich unruhig. Vielleicht findet sich jemand, der uns unter Hausarrest stellt. Wir hoffen, so wie wir es immer getan haben…

Diese Worte hat mein Vater in senem letzten Brief geschrieben. Andere sehen zu Hause bleiben als eine Bürde, mein Vater dagegen als Segen. Ihr habt Glück, weil ihr in eurem zu Hause bleiben, eure Tür schließen, eure Gardinen zuziehen und wo ihr einfach ´Familie´ sein könnt.´

Als er einen Tages alles wofür er sein ganzes Leben lang hart gearbeitet hat verloren hat, war er dankbar darüber bei uns zu sein. Er hatte nur noch ein Haus. Weder seinen Beruf noch seine Erfolge…Nur ein Haus, Wir habt ihr das alles meinem Vater weggenommen.

Uns einmal in der Woche beim Besuch hinter einem dreckigen Fenster sehen und einmal im Monat uns umarmen hat ihn am Leben gehalten. Jetzt wurde uns auch das weggenommen. Gibt uns unseren Vater zurück.

Mein Vater ist seit über einem Jahr seiner Freiheit beraubt. Jetzt ist auch seine Gesundheit in Gefahr. Das einzige was wir wollen ist, dass er zu Hause ist. Wem schadet es, wenn dieser Mann zu Hause ist?“

In der Türkei sind zehntausende Oppositionelle wegen Terrordelikten verurteilt worden. Neben Journalisten sind auch Oppositionspolitiker, Menschenrechtler, ehemalige Polizisten, Staatsanwälte, Richter uns besonders Lehrer von aus politischen Gründen im Gefängnis. Ein prominentes Beispiel ist Selahattin Demirtaş, der ehemalige Co-Vorsitzende der Oppositionspartei HDP.

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Menschenrechte

Trotz Coronavirus Medizinstudenten und Ärzte weiterhin im Gefängnis

Die Türkei braucht in ihrem Kampf gegen das gefährliche Coronavirus mehr Ärzte und Pflegekräfte. Viele Experten aus dem Gesundheitsbereich wurden nach dem Putschversuch 2016 aber entlassen und in Gefängnis gesteckt. Unter ihnen auch Gesundheitstechniker und Medizinstudendenten, darunter auch Alperen Demirel und drei seiner Freunde.

von Sevinç Özarslan

Am 18. Januar wurde Muhammed Alperen Demirel (24) und drei seiner Freunde festgenommen und ins Gefängnis von Elazığ gesteckt. Demirel ist im letzten Jahr seines Medizinstudiums in der östlichen Provinz gewesen. Es war sein Geburtstag. Nachdem der Student sieben Tage in Polizeigewahrsam war, wurde er ins Gefängnis geschickt. Nach 6 Monaten wäre sein Studium an der Fırat Universität zu Ende gewesen.

Fırat Üniversitesi Hastanesindeki stajını bitirmesine 6 ay kalan Muhammed ve arkadaşları terörist diye damgalandı. Birlikte kaldıkları, gece gündüz ders çalıştıkları ev ise ‘örgüt evi’ ilan edildi. Seine Studenten-WG sei eine „Terrorzelle,“ werfen ihm die türkischen Behörden vor.

Studium und Beruf weggenommen“

„Mein Sohn war jemand der 36 Studen Bereitschaftsdienst hatte und danach 12 Stunden gelernt hat. Sie haben sehr hart gearbeitet. Er hat mit seinen Freunden im Zentrum eine Wohnung gemietet. Wir leben dort nicht. Wo hätten diese Kinder leben sollen? Wenn zwei nebeneinander gesehen werden, werden sie des Terrorismus bezichtigt. Seine Anklageakte ist leer. Auch die seiner Freunde. Sie haben den Kindern ihr Studium und ihren Beruf weggenommen,“ erzählt die Mutter Saliha Demirel.

Obwohl ihr Sohn schon in Kürze fertiger Arzt gewesen wäre und das Land dringend Ärzte benötige werde der junge Mann nicht freigelassen, beschwert sich die Mutter. „Um 18.30 Uhr wurde mein Sohn festgenommen und um ca. 21 Uhr hat sich das Erdbeben ereignet. Das was dieses jungen Menschen widerfahren ist, ist Unrecht. Das Verhaften von Unschuldigen hat uns sehr getroffen,“ so die Mutter.

Die Mutter des Studenten erzählt, dass ihr Sohn mit seinem Geld gerade noch über die Runden gekommen ist. Auch die Familie sei nicht sehr gut situiert. Die Familie, die in Samsun lebt, habe nicht einmal ihren Sohn in Elazığ besuchen können. Ihr Sohn lag mit seinem Studium in der Regelzeit. Die Nachricht über die Festnahme der Studenten haben sie sehr getroffen, erzählt die Mutter.

Vater Tekin Demirelwurde zu 11 Jahren und 3 Monaten Gefängnis verurteilt

Muhammed Alperen Demirel wurde im Rahmen der Razzien gegen die Gülen-Bewegung wegen der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation festgenommen und soll gemeinsam mit seinen Kommilitonen erstmals am 17. April vor Gericht gestellt werden. Vater Tekin Demirel sitzt seit 33 Monaten im Gefängnis von Samsun. Er wurde zu 11 Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Die deutsche Übersetzung wurde redaktionell bearbeitet. Das Original finden Sie hier

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