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Türkei: Top-Experte zu Coronavirus wegen Nähe zu Gülen entlassen 

Der türkische Virologe Mustafa Ulaşlı ist der einzige türkische Mediziner, der zu den Corona-Viren promoviert hat. Kein Alleinstellungsmerkmal von Ulaşlı ist, dass er zu den rund 150 Tausend Staatsbediensteten gehört, die per Dekret entlassen wurden. Im Ausnahmezustand in der Türkei, nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016, wurde die Bewegung rund um den im US-Exil lebenden Fethullah Gülen zum Staatsfeind Nummer 1 erklärt. Tausende Personen wurden wegen tatsächlicher oder mutmaßlicher Mitgliedschaft in der Gülen-Bewegung verdächtigt und bestraft. Ulaşlı wurde aus der Medizinisch-Biologischen Fakultät der Universität von Gaziantep entlassen. Die Begründung: Er war Absolvent der Fatih Universität, die als Gülen-nah eingestuft wurde.

Somit gehört Mustafa Ulaşlı auch zu der Gruppe der “KHK´ler”. Das ist die Selbstbezeichnung für diejenigen, die von den Dekreten direkt betroffen sind. Im Zuge ihrer Entlassungen wurden diese Personen mit entsprechenden Kennziffern markiert. Dieser Code ist wie ein schwarzer Schleier, der ihre soziale Reintegration nahezu verunmöglicht. Ein entsprechender Hinweis neben ihren Sozialversicherungsnummer sorgt dafür, dass sämtliche Arbeitgeber und Behörden in Zukunft erkennen, dass diese Personen zu der besonderen Gruppe gehören. So scheiden die “KHK´ler” für die meisten Arbeitgeber von vornherein aus und müssen um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen.

Ulaşlı ein echter Corona-Experte

Dabei ist Mustafa Ulaşlı ein echter Experte in Sachen Coronavirus. In den Jahren 2007 bis 2011 forschte er an der niederländischen Groningen-Universität. Anschließend promovierte er zum Thema “Coronaviren”. Ulaşlı hat nach Ausbruch des neuartigen Covid-19 Viren in der Türkei an das türkische Gesundheitsministerium appelliert. Er stellt angesichts dieser außergewöhnlichen Lage seine Aussortierung in Frage.

3 Jahre in den USA und 4 Jahre in der Niederlande geforscht

Ulaşlı hatte vor seinem Forschungsaufenthalt in den Niederlanden auch schon an der Princeton University in den USA drei Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet. Obwohl er ein Angebot in Princeton bekam, entschied sich der Virologe für die Universität in Groningen. Ulaşlı hätte niederländischer Staatsbürger werden können, er entschloss sich nach dem Abschluss aber in die Heimat zurück zu kehren. Seine Entscheidung begründet Ulaşlı so: “Ich wollte in meiner Heimat noch bessere Studenten ausbilden”. 

“Ich könnte der Türkei sehr von Nutzen sein”

Im Ausland habe Ulaşlı die Genetik von Coronaviren erforscht. “Wie dringt das Virus in die Zellen, wie verhält es sich nach dem Eindringen in die Zelle, welche Schäden richtet das Virus in der Zelle an, welche Zell-Mechanismen nutzt es, wie vermehrt es sich und wie tritt es aus der Zelle wieder aus?” Genau diese Fragen habe der Virologe während seiner Dissertation erforscht. Das sei besonders wichtig, um eine maßgeschneiderte Therapie gegen diese Viren zu entwickeln. “Denn wenn dieser Virus ein Feind ist, müssen wir genau wissen, wie der Feind vorgeht.” so Ulaşlı. Der ausgeschlossene Mediziner glaubt, dass er mit seiner Expertise gerade in dieser Phase für die Türkei sehr nützlich sein könnte. “Ich habe mich auf die Bekämpfung dieser Viren spezialisiert”.

“Ich will nicht abstumpfen”

Es ist unklar, wie viele Mediziner in der Türkei bereits zum Coronavirus Forschungen betrieben haben. Laut Ulaşlı gibt es auch in der Türkei sehr gute Wissenschaftler. Dennoch sei er vermutlich der einzige echte Experte in Bezug auf die Coronaviren, da er sich über Jahre ausschließlich mit ihnen auseinandergesetzt habe. Nur so können die Medizin eine Antwort auf diesen neuartigen Virus entwickeln. “Wenn sie genau wissen, wie sich diese Viren verhalten, können sie ermitteln, welche Proteine sie anpeilen müssen, um gegen diese Viren erfolgreich vorzugehen. Unsere Aufgabe könnte sein, ein Impfstoff gegen diesen Virus zu entwickeln. Wir müssten Tests durchführen um zu sehen, mit welcher Medizin man diesen Virus aufhalten könnte,” so der verzweifelte Virologe. Ulaşlı kann derzeit in der Türkei an keiner Forschungsarbeit mitwirken. Er ist aus dem gesamten System ausgeschlossen. Darunter leidet der leidenschaftliche Mediziner besonders. Er wolle keinesfalls abstumpfen und seine berufliche Expertise verlieren. “Der Platz eines Forschers ist eine Universität, bei seinen Studenten. Weil ich seit langer Zeit in keinem Labor war und arbeiten konnte, entferne ich mich immer weiter von meinem Fachgebiet. Das fügt mit regelrecht Schmerzen hinzu. Als ein Akademiker wünsche ich mir sehr  wieder in die Forschung einzusteigen. Ich hätte jetzt eigentlich an der Impfstoffentwicklung gegen diesen neuartigen Virus mitwirken können.”, so Mustafa Ulaşlı.

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Sorge um politische Gefangene in der Türkei wächst

Die Situation in den türkischen Gefängnissen ist unübersichtlich. Zu viele Gefangene müssen auf engstem Raum zusammenleben. So berichtet der Gefangene des Hilvan Gefängnisses in Urfa, so Ömer Özmen, bei einem Telefonat mit seiner Mutter Zeynep, dass in seiner Zelle 18 Personen untergebracht sind, vier von ihnen müssten sogar auf dem Boden schlafen.

Hinzukommen auch mangelnde hygienische Verhältnisse. „Die Gefängnisleitung gibt uns keine Hygieneprodukte. Sie wollen, dass wir es kaufen. Wir bezahlen für Handseife 50 TL. Unsere Zelle wurden nicht desinfiziert. Nur das Erdgeschoss wurde desinfiziert. Die Gefängniswärter ziehen weder Maske noch Handschuhe an. Sie kommen in unsere Zellen rein und fassen unsere Sachen an. Es gibt keinerlei Vorkehrungen gegen die Epidemie. Uns wurden auch Radios und Bücher weggenommen,“ wird der Gefangene von seiner Mutter zitiert.

Mit einem neuen Amnestiegesetz will die Regierung von Präsident Gefangene entlassen. Ausgenommen sind Häftlinge, die wegen Terrordelikte einsitzen. Zehntausende politische Gefangene sind aber wegen solcher Terrordelikte verurteilt und müssen weiterhin in den Gefängnissen der Türkei bangen. Das führt auch bei den angehörigen der Gefangenen für Empörung. „Sie wollen unsere Kinder bewusst töten. Wegen der Pandemie sterben jeden Tag Menschen. In den Gefängnissen werden unsere Kinder ohne jegliche Vorsichtsmaßnahmen festgehalten. Verbrecher werden freigelassen aber nicht unsere Kinder, die für ihre Rechte gekämpft haben,“ so Zeynep Özmen. Die Mutter ruft dazu auf Gefangene wie ihren Sohn nicht zu töten.

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Verdacht auf Coronavirus bei HDP-Politikerin im Gefängnis

Nalan Özaydın ist die ehemalige Bürgermeisterin von Mazıdağı und gehört zu den Politikerinnen der HDP, die inhaftiert sind. Wegen des Verdachts auf eine Infektion mit dem Coronavirus wurde Özaydın vom Gefängnis in Tarsus ins Krankenhaus von Mardin gebracht.

Inzwischen hat der Rechtsanwalt der Politikerin beim Strafgericht von Mardin einen Antrag auf Entlassung aus der Haft gestellt. Sollte Özaydın wieder zurück ins Gefängnis gebracht werden, wäre das ein großes Risiko. Das Gericht hat dem Antrag inzwischen stattgegeben. Die HDP-Politikerin bleibt im Krankenhaus von Mardin zunächst unter Karantäne.

Resim

Özaydın wurde im vergangenen durch das Innenministerium von ihrem Amt enthoben und durch einen Zwangsverwalter ersetzt. Anschließend wurde sie festgenommen. Dutzende Bürgermeister der HDP wurde auf ähnliche Weise durch das Innenministerium durch Zwangsverwalter ersetzt und anschließend festgenommen.

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Erdoğan ruft Türken zu Spenden wegen Corona-Krise auf

Die Corona-Krise bringt viele Menschen in der Türkei an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Weil viele nicht mehr arbeiten können, bleiben die Einkünfte weg. Kosten für Miete, Strom und für Lebensmittel müssen aber dennoch bezahlt werden. Deswegen hat Präsident Erdoğan zu Spenden für Bedürftige aufgerufen.

Die Kampagne von Erdoğan trägt den Namen „Wir reichen uns selbst aus“ (Biz Bize Yeteriz Türkiyem). Unterstützung bekommt der Staatschef auch von seinem Gesundheitsminister Fahrettin Koca. „Wir haben nicht alle gleiche Umstände. Unterstützen Sie bitte die Bedürftigen,“ ließ Koca mit dem Spendenkonto über Twitter mitteilen .

Kritik kommt hingegen vom Fraktionschef der Oppositionspartei CHP, Engin Altay, der an die Worte von Erdoğan erinnerte. Der hatte gesagt, dass er für die syrischen Flüchtlinge 40 Milliarden Dollar ausgeben werde, wenn es nötig wäre. „Wo sind 40 Milliarden auf der Seite, die für die Syrer ausgegeben werden sollten,“ lautet die Kritik von Altay.

Altay wirft der Regierung vor nicht ausreichend Hilfe zu leisten. „Länder, die ärmer als wir sind, haben nicht einmal diesen Weg eingeschlagen.“ Wenn schon am Anfang der Krise der Staatschef zu spenden aufruft, zeige das nur, dass der Staat doch nicht so stark sei, wie von den Bürgern bislang angenommen.

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