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Menschenrechte

Vor 10 Monaten entführt: Familie von Yusuf Bilge Tunç fürchtet das Schlimmste

Im vergangenen Jahr wurden in der Türkei sieben Personen von schwarzen Transportern entführt. Sechs von ihnen wurden nach sechs bis neun Monaten der Polizei übergeben. Von Yusuf Bilge Tunç fehlt seit zehn Monaten jeden Spur.

Von Cevheri Güven

Yusuf Bilge Tunç verlor per Dekret seinen Arbeitsplatz und wurde am 6. August 2019 entführt. Alle Personen, die 2019 entführt wurden, wurden nach sechs bis neun Monaten der Polizei übergeben. Von Tunç fehlt seit zehn Monaten weiterhin jede Spur. Die Familie des Mannes fürchtet, dass er durch die Folter umgekommen ist.

Tunç hatte beim Wirtschaftsministerium gearbeitet und wurde per Dekret entlassen, weil ihm Nähe zur Gülen-Bewegung vorgeworfen wurde. Danach musste er seinen Lebensunterhalt dadurch verdienen, in dem er mit seinem Auto Einweggeschirr verkauft hat. Am 6. August wurde er von einem schwarzen Transporter entführt.

Die Entführungen fingen 2016 an und hatten die Gülen-Bewegung zum Ziel. Das Entführungsopfer war der am 27. Januar entführte Sunay Elmas. Seit vier Jahren weiß man über den Verbleib von Elmas nichts.

Außer Yusuf Bilge Tunç wurden 2019 sechs weitere Personen entführt. Salim Zeybek, Erkan Irmak, Özgür Kaya und Yasin Ugan tauchten sechs Monate später in eienm Polizeirevier auf, Mustafa Yılmaz und Gökhan Türkmen nach neun Monaten. Bislang wurden die Opfer vier bis sechs Monate lang gefoltert, bis sie der Polizei übergeben wurden. Weil Tunç schon seit Monaten nicht aufgetaucht ist, könnte er bei der Folter umgekommen sein. Die Familie macht sich um das Leben des Mannes große Sorgen. Die Familie von Tunç versucht sich über die sozialen Medien Gehör zu verschaffen. Gleichzeitig versucht die Familie ihren Kampf für Yusuf Bilge Tunç auch auf juristischer Ebene zu gewinnen.

„Sicher, dass der Staat ihn hat“

Die Familie ist sich sicher, dass auch Tunç vom Staat entführt wurde. Das größte Indiz dafür ist, dass Polizei und Staatsanwaltschaft nach der Entführung sich geweigert haben, Beweise zu sichern. Aufnahmen von Sicherheitskameras waren verschwunden. So tauchte das Auto von Tunç ausgeräumt an einer Stelle auf, in der die Familie zuvor danach gesucht hatten. Auch die Staatsanwaltschaft hatte sich geweigert, Beweismittel im Fahrzeug sichern zu lassen.

Nach der Entführung von Yusuf Bilge Tunç wurde sein Auto an einem verlassenen Ort in Ankara gefunden. Die Familie hatte lange Zeit dafür gekämpft, dass im Auto Fingerabdrücke und andere Beweise gesichert werden. Nach Monate hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt keine Spurensicherung an dem Fahrzeug vorzunehmen und schloss die Akte. Die Familie verkaufte später das Fahrzeug. Nach dem das Auto verkauft wurde hatte ein anderer Staatsanwalt dann angekündigt an dem Fahrzeug Spuren sichern zu lassen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden der Familie allerdings nicht mitgeteilt.

Gericht verhängt Informationssperre

Die Akte zum Fall Tunç wurde inzwischen mit der Akte in einem anderen Fall zusammengelgt. Zu dem Fall hat das Gericht eine Informationssperre verhängt. Weder die Rechtsanwälte noch die Familien bekommen Informationen dazu.

Die Familie versucht mit der Menschenrechtsorganisation IHD (İnsan Hakları Derneği) auch von internationalen Institutionen Hilfe zu bekommen. Zueltzt hatte die Vereinten Nationen die Türkei aufgefordert eine Stellungnahme abzugeben. Die Türkei hatte in ihrer Stellungnahme die selbe Stellungnahme wie in den übrigen Fällen übergeben. Die Rechtsanwälte der IHD hatten daraufhin mit Beweisen der türkischen Version widersprochen.

Auch vor dem Europäischen Gerichtshof Menschenrechte EuGH sehen die Entwicklungen ähnlich aus. Bislang hat der EuGH noch keine Entscheidung in dem Fall getroffen.

Amensty International nimmt Fall nicht in Bericht auf

Amnesty International hatte zuletzt einen umfangreichen Bericht zu den Entführungsfällen veröffentlicht. Während sechs der 2019 Entführten in dem Bericht vorkamen gabe es Kritik daran, dass der Fall von Yusuf Bilge Tunç nicht in dem Papier auftauchte.
Die Menschenrechtsorganisation hatte in Großbritannien hatte zu dem Fall Unterlagen erhalten, teilt die Familie mit. Die Veröffentlichungen von internationalen und regionalen Institutionen sei sehr wichtig für die Familie.

Familie leidet psychisch

Die Kinder von Tunç gingen immer wieder an die Tür, wenn es klingelt und sagte „Baba ist gekommen.“ Die Familie leidet psychisch sehr unter der Situation. Besonders der Vater von Tunç habe inzwischen große Probleme.
Inzwischen geht die Familie davon aus, dass Tunç unter Folter umgekommen sein. Dennoch wollte sie die Hoffnung nicht aufgeben. Der Vater des Entführten ist der Lehrer Mustafa Tunç. Ihm geht es gesundheitlich sehr schlecht. Auch die Ehefrau und Kinder des Mannes sind gesundheitlich schwer angeschlagen.

„Lasst ihn frei!“

Die Familie bittet daher die Öffentlichkeit um Hilfe und fordert die Freilassung des dreifachen Vaters. Yusuf Bilge Tunç ist Absolvent der politikwissenschaftlichen Fakultät in Ankara. Nach seinem Studium hatte er im öffentlichen Dienst im Bereich Finanzen gearbeiter.
Während des Ausnahmezustands nach dem Putschversuch am 15. Juli 2016 wurde Tunç unter dem Vorwurf Verbindungen zur Gülen-Bewegung zu haben zunächst per Dekret entlassen. Er hat drei Kinder im Alter von 10, 6 und 2,5 Jahren.

Namen der Opfer und Datum der Entführungen

Sunay Elmas (27. Januar 2016), Ayhan Oran (1. November 2016), Mustafa Özgür Gültekin (21. Januar 2016), Durmuş Ali Çetin (17. Mai 2017), Hüseyin Kötüce (28. Februar 2017), Mesut Geçer (26. März 2017), Turgut Çapan (31. März 2017), Önder Asan (1. April 2017) Cengiz Usta (4. April 2017), Mustafa Özben (9. Mai 2017), Fatih Kılıç (14. Mai 2017), Cemil Koçak (5. Juni 2017), Murat Okumuş (16. Juni 2017), Enver Kılıç (30. September 2017), Zabit Kişi (30. September 2017), Hıdır Çelik (6. Januar 2017), Ümit Horzum (6. Dezember 2017), Ayten Öztürk (13. März 2018), Orcun Şenyücel (21. April 2018), Hasan Kala (20. Juli 2018), Fahri Mert (12. August 2018), Ahmet Ertürk (16. November 2018).

Nach Februar 2019 wurden diese Personen festgenommen:

Gökhan Türkmen (7. Februar 2019), Yasin Ugan (12. Februar 2019), Özgür Kaya (12. Februar 2019), Erkan Irmak (16. Februar 2019), Mustafa Yılmaz (18. Februar 2019), Salim Zeybek (20. Februar 2019), Yusuf Bilge Tunç (6. August 2019).

Kein Lebenszeichen von 3 Opfern

Von den Entführten Sunay Elmas und Ayhan Oran gibt es seit 2016 kein Lebenszeichen. Von Yusuf Bilge Tunç fehlt seit August 2019 jede Spur.

Folter-Bauernhof

Die Informationen der Opfer, die durch in schwarze Transportern entführt wurden deuten daraufhin, dass sie zum „Çiftlik“ (Türkischf ür Bauernhof) gebracht werden. Diese Zentrum wird vom türkischen Geheimdienst MIT als für „Sonderoperationen“ genutzt und liegt an der Grenze zum Stadteil Marşandiz und und dem Anadolu Boulevard. In den 1980er Jahren wurden linke Aktivisten in dieses Folterzentrum gebracht. Vor dem Putschversuch wurden an dem Komplex Renovierungen vorgenommen und dient jetzt zum Verhör und Folter von Gülen-Anhängern und auch Kurden, die aus Syrien entführt wurden.

Ayten Öztürk und Zabit Kişi wurden aus dem Ausland entführt und wurden deswegen von der Abteilung für Auslandsoperationen an einen anderen Ort gebracht. Sie wurden in der Nähe des Flughafens Ankara Esenboğa in einen Komplex des MIT gebracht, dass als „Saray Tesisleri“ bezeichnet wird und dort schwerer Folter ausgesetzt.

Während einige der Opfer später vor Gericht über ihrer Folter berichtet haben, haben andere aus Angst dazu geschwiegen. Gökhan Türkmen, Zabit Kişi und Ayten Öztürk haben vor Gericht detailliert über ihre monatelange Folter berichtet.

Der Text wurde für die deutsche Übersetzung redaktionell bearbeitet. Das Original finden Sie hier.

Menschenrechte

„Wir wurden mit unseren zwei Kindern festgenommen und stundenlang gefoltert“

Der inhaftierte Lehrer Önder Bozkurt wurde in Polizeigewahrsam gefoltert, schreibt der Mann in einem Brief. Auch seine Ehefrau musste tagelang auf dem Polizeipräsidium einiges über sich ergehen lassen.

Von Sevinç Özarslan
(Aus dem Türkischen von Sven Weber)

Am 19. Februar 2018 wird Önder Bozkurt gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinen Kindern in Gümüşhane festgenommen. In einem Brief an den Menschenrechtler und Abgerodneten Ömer Faruk Gergerlioğlu (HDP) schildert er die anschließende Folter in Polizeigewahrsam. “Es ist unmöglich diese ein wöchige Tortur zu vergessen. Es hat tiefe Spuren in unserem Leben hinterlassen. Wir wurden gemeinsam mit unseren beiden Kindern festgenommen. Neben Beleidigungen und Anschuldigungen musste ich eine Woche lang jeden Tag in Handschellen stehen. Jeden tag wurde das systematisch durchgeführt. Es wurde gegen mich auch physische Gewalt angewendet. Ich möchte Sie nicht in Trauer versetzen, in dem ich Ihnen die Details erzähle.”

“In anderen Städten machen sie schlimmeres”

Nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 wurden Menschen festgenommen und anschließend in allen Teilen des Landes gefoltert. Besonders in den Polizeipräsidien in İstanbul, Ankara, Afyon, Bartın, Aksaray und Mersin hatten anshließend Opfer über ihre Tortur berichtet. Bozkurt wurde von der Antiterrorpolizei TEM in Gümüşhane gefoltert, berichtet der Lehrer in seinem Brief an den Abgeordneten. Dabei habe sogar der Direktor der TEM sich lustig über Bozkurt gemacht. “Önder, hätte ich gewusst was die Kollegen mit dir machen, hätte ich das nicht zugelassen. Du solltest wissen, dass in anderen schlimmeres gemacht wird,” so Bozkurt. “Hätter er seine Worte erst gemeint, hätte er sofort Ermittlungen gegen die Folterer eingeitet.”

“Gericht nahm Folter nicht ins Protokoll auf”

Bozkurt erzählt, dass die Folter nicht ins Protokoll aufgenommen wurde. “Sie hatten mich mit meiner Ehefrau unter Druck gesetzt. Sie haben unheimlichen druck auf mich ausgeübt. Ich habe das alles vor Gericht erzählt und auch schriftlich einegereicht. Nichts wurde aber unternommen. Nich nur, dass nichts unternommen wurde, sie haben sogar eine Höchststrafe verhängt.” Außer Wasser wurde ihr nichts gegeben

Auch seine Ehefrau Fatma wurde in Polizeigewahrsam beschimpft und schlimmstens beleidigt. “Sie musste stundenlang stehen. Dann gab es die schlimmsten Beleidigungen, die man nicht in den Mund nehmen möchte. Sie wurde von zwei männlichen Polizisten auf das Polizeirevier ins Polizeipräsdium in Gümüşhane Torul gebracht. Meine Ehefrau musste dort sechs Tage verbringen. Außer Wasser hat sie nichts zu sich genommen. Ich habe davon erst in einem Brief von meiner Frau erfahren, als ich ins Gefängnis gesteckt wurde,” schreibt der Lehrer in seinem Brief an den Abgeordneten.

“Als wir in Untersuchungshaft genommen wurden, hat man uns voneinander getrennt. Meine Tochter ging mit meiner Frau und mein Sohn musste bei mir bleiben. Meine Frau und meine Tochter wurden durch einen Polizisten und seine kollegin dann zur medizinischen Kontrolle ins Krankenhaus gefahren. Auf der Fahrt hatte der Mann dann immer wieder aufs Lenkread geschlagen und meine Frau gefragt, wie man sein Vaterlandsverrat begehen könne. Sie sei ein Terrorist sagte er ihr. Bei jedem Mal als dieser Polizist aufs Lenkrad geschlagen hatte, hat sich meine Tochter sich an ihre Mutter noch
fester geklammert,” so der inhaftierte Lehrer.

10 Jahre Gefängnis

Nach dem das Ehepaar Bozkurt wegen Verbindungen zur Gülen-Bewegung festgenommen wurden, kamen sie zunächst ins Gefängnis von Gümüşhane und sitzen seit fünf Monaten in der Haftanstalt von Patnos. Das Strafgericht von Patnos hat das Ehepaar wegen Terrordelikten zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der Fall liegt jetzt zur Berufung vor dem Kassationshof. Die Zeugen in dem Fall hätten ihre Aussagen zurückgezogen. Dennoch muss das Ehepaar zehn Jahre hinter Gittern verbringen.

Erzwungene Aussagen

“Was waren die Vorwürfe gegen uns: Es gab Aussagen gegen meine Frau und sie habe die Messenger-App “ByLock” verwendet. Und mir wurde angelastet, dass ich in den privaten FEM-Nachhilfeschulen vier Jahre zuvor gearbeitet habe. Das Strafgericht von Gümüşhane hat dennoch ein Urteil verhängt, dass absolut unverständlich ist. Das Urteil von meiner Frau stützt sich auf zwei Zeugen, die während des Gerichtsprozesses ihre Aussagen zurückgezogen hatten. Einer hatte gesagt, dass seine Aussage im Polzeirevier erzwungen wurde. Der andere gab zu, dass er eine Falschaussage gemacht habe. Dennoch wurde meine Frau nicht frei gelassen.

“Unsere Tochter bekam keine Muttermilch mehr”

Der Biologie-Lehrer Önder Bozkurt und seine Eihefrau Fatma, die Klassenlehrerin war, haben eine Tochter, Betül Hafsa (4), und einen Sohn, Bahadır (6). Seit 28 Monaten ist das Ehepaar von ihren Kindern getrennt. Auch beide Geschwister sind voneinander getrennt. Betül Hafsa lebt der Großmutter mütterlicherseits und Bahadır bei der Großmutter väterlicherseits. Nachdem die Mutter festgenommen wurde, konnte das Kind keine Muttermilch mehr bekommen, erzählt der Familienvater. Seine Ehefrau leide sehr unter den Folgen der Trennung von ihren Kindern und fordert deswegen ihre Freilassung.

“Unsere Tochter erinnert sich nicht mehr an uns”

Wegen der Maßnahmen gegen das Coronavirus kann Önder Bozkurt weder seine Frau noch seine Kinder mehr sehen. Anträge würden nicht bearbeitet werden. Zudem mache sich der Lehrer Sorgen um die Gesundheit seiner Ehefrau.

“Meine Frau hat derzeit sehr große psychische und seelische Probleme. Sie weint seit 27 Monaten ununterbrochen. Seit Jahren ist eine Mutter von ihren geleibten Kindern getrennt. Das hält doch niemand aus. Ich habe bei den zuständigen Behörden immer wieder Anträge gestellt. Es war alles umsonst. Unsere Tochter erinnert sich nicht mehr an uns. Unser Sohn hat dieses Jahr mit dem Kindergarten angefangen aber möchte nicht mehr dahingehen,” schreibt der Vater..

“Ich flehe sie an, sorgen Sie dafür, dass wir gehört werden”

Önder Bozkurt bittet um Hilfe: “Wir sind hilflos. Ich habe niemals eine Waffe in der Hand gehalten. Ich habe mein ganzes Leben lang versucht ein guter Mensch zu sein. Mit einigen Aussagen wurde ich zum Terroristen gebrandmarkt. Ist das so einfach zum Terroristen zu werden. Ich verstehe das nicht. Ich bitte Sie, helfen Sie uns damit unsere Stimme an den zuständigen Stelle gehört wird, damit sich meine Familie wenigsten ein wenig zusammenraufen kann, damit meine Frau wieder zu ihren Kindern kann. Wir haben keine Kraft mehr.

Der Text wurde für die deutsche Übersetzung redaktionell bearbeitet. Das Original finden Sie hier.

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Menschenrechte

Aziz Çelik: Das unendliche Leid politischer Gefangener in der Türkei

Aziz Çelik gehört zu den Häftlingen in der Türkei, die krank sind und dennoch weiter im Gefängnis bleiben müssen. Vor 10 Wochen hatten die Ärzte bei dem Familienvater eine Leberzirrhose festgestellt. Seine Geschichte zeigt die ausweglose Situation der Gefangenen in den türkischen Haftanstalten.

Von Sevinç Özarslan

(Aus dem Türkischen von Sven Weber)

Aziz Çelik ist seit rund vier Jahren im Gefängnis von Kilis inhaftiert. Am 28. Mai wurde er in die Universitätsklinik von Gaziantep gebracht. Weil das Krankenzimmer für Häftlinge abgeschlossen war, musste der kranke Mann zwei Stunden in Handschellen mit zwei Soldaten an seiner Seite auf den Arzt warten. Bold hat mit einem angehörigen des Mannes gesprochen.
Bereits einen Tag zuvor wurde der Mann vom Krankenhaus in die Universitätsklinik von Gaziantep gebracht. Dort wurde er ins Krankenzimmer für Gefangene verlegt.

Bewacher wollen nicht im Krankenhaus bleiben

An dem Tag hatten die Ärzte eine Blutprobe von dem Mann entnommen. Nach einem anschließend Gespräch mit dem Arzt brachten die Bewacher den kranken Mann wieder zurück ins Gefängnis. Auf eine Anfrage von Çelik erwiederten die Wachen, dass der Arzt es so wollte. Um 21 Uhr war der Mann wieder in seiner Zelle in Kilis.

Am nächsten Morgen um 8.00 Uhr musste der Gefangene wieder ins Krankenhaus gefahren werden. Auch dann gab es massive Strapazen für den kranken Mann. Weil die Schlüssel ein anderer Bewacher mitgenommen hatte, musste der Mann wieder in den Krankenhaus-Fluren warten. Die Blicke der Menschen in dem Krankenhaus hatten dem Mann erneut zugesetzt. Weil der Mann aus Gaziantep ist, kannte er viele der Menschen in dem Krankenhaus, die ihn neben ihren Blicken auch mit Fragen konfrontierten.
Nach dem Tests bei dem Durchgeführt wurden, wurde der Mann um 12 Uhr erneut ins Gefängnis zurückgebracht.

Seit über 40 Tagen in Corona-Einzelhaft

Die Strapazen halten für den Mann weiterhin an. Eine Woche vor dem Ramadan Monat wurde der Mann ins Krankenhaus gebracht. Als er zurückgebracht wurde, steckt man Çelik in Quarantäne-Einzelhaft. “Eine vor dem Ramadan-Monat wurde er unter Quarantäne genommen. Siet 40 Tagen befindet er sich dort. Seiner Psyche geht es sehr schlecht. Er hat Angst dort alleine zu sterben. Die Therapie seiner Krankheit dauert drei Jahre. Derzeit ist er im Gefängnis von Kilis. Nach etwa zehn Tagen muss er erneut ins Krankenhaus und muss dann erneut in Quarantäne. Das wird nicht aufhören,” sagte uns ein Angehöriger von Aziz Çelik.

Keine ordentliche Therapie bekommen

Bereits vor seiner Festnahme hatte der Mann an Asthma gelitten. Er litt an Appetitlosigkeit; starke,Gewichtsverlust, Wasseransammlungen an Bauch und Füßen. Der Angehörige des Mannes sagte zu Bild, dass Aziz Çelik bislang noch keiner ordentlichen Therapie bekommen hatte.

“Seiner Psyche geht es sehr schlecht. Er wird ständig ins Krankenhaus hin- und hergebracht. Der Arzt sagt, dass eine Therapie sehr lange dauern wird. Noch immer hätten die Ärzte nicht herausfinden können, was die Ursache für die Leberzirrhose sei,” erzählte der Angehörige Bold.

Justizangestellter in Kilis

Aziz Çelik arbeitet vor seiner Festnahme als Justizangestellter in Kilis. Wegen Terrorismus-Delikten wurde der Mann am 3. August 2016 festgenommen. Nachdem er rund vier Monate im Gefängnis von Gaziantep inhaftiert war, wurde er in die Haftanstalt von Kilis verlegt. Die Richter begründeten ihr Urteil damit, dass der Mann in Gesprächskreisen der Gülen-Bewegung (“Sohbet”) teilgenommen hatte und die Messenger-App “ByLock” benutzt habe. Sein Fall liegt zur Berufung dem Kassationshof vor.

Der Text wurde für die deutsche Übersetzung redaktionell bearbeitet. Das Original finden Sie hier.

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Menschenrechte

Kranker Gefangener Lütfü Koç: „Sie lassen mich hier sterben!“

Bei seinem letzten Telefongespräch aus dem Gefängnis mit seiner Familie sagte Lütfü Koç: “Sie lassen mich hier sterben.” Der kranke Mann ist wie viele andere Gefangene in der Türkei verzweifelt.

Von Sevinç Özarslan

(Aus dem Türkischen von Sven Weber)

Lütfü Koç ist krank und sitzt im Gefängnis von Menemen in Izmir. Bei seinem letzten Telefongespräch mit seiner Ehefrau Züleyha zeigt der kranke Mann sich sehr besorgt. “Sie lassen mich hier sterben.” Koç wurde am 20 Mai 2019 wurde festgenommen. Seit Juni 2019 wartet er darauf, dass bei ihm eine Endoskopie und Kolonoskopie durchgeführt wird. Sein Arzt hatte ihm zuvor gesagt, dass er möglicherweise Krebs hat und das bei ihm eine Endoskopie und Kolonoskopie durchgeführt werden müsse. Seit er im Gefängnis wird, konnte er seine medizinischen Untersuchungen nicht mehr fortsetzen. Zudem hat der Mann zwei Zysten in seinem Gehirn.

Bei dem Telefongespräch erzählte der Mann seiner Frau, dass es auch eine Anschwellung auf seiner rechten Bauchseite gäbe. Der Gefängnisarzt hatte das als “anormal” bezeichnet. Dennoch durfte Koç ins Gefängnis verlegt werden. “Sie lassen mich hier sterben,” sagte der Mann seiner Frau.

“Schon drei Mal musste ich auf die Notaufnahme, aber das durfte ich nicht. Die rechte Seite meines Bauches ist angeschwollen. 12 bis 13 Stunden muss ich jeden Tag mis Ausstoßen und Brechen verbringen. Der Arzt hat den Verdacht auf Krebs. Niemanden interssiert das hier. Ich durfte aber auf die Sanitätsstation des Gefängnisses. Der Arzt dort ist absolut uninteressiert. Wegen des Coronavirus bringen sie Gefangene nur ins Krankenhaus, wenn Todesgefahr besteht. Sie wollen mich hier nicht rauslassen. Mir geht es nicht gut. Ich schlafe hier auf dem Boden.”

Staatsanwalt erreichen unmöglich

Die Ehefrau des Gefangenen und sein Rechtsanwalt wollen Anträge beim zuständigen Staatsanwalt stellen. Dieser sei aber nicht erreichbar. “Seit zwei Wochen ist der Rechtsanwalt schon zum Gericht gegangen. Der Staatsanwalt ist nicht da. Unsere einzige Hoffnung ist, dass Menschenrechtler unsere Stimme erhören,” so Züleyha Koç.

Alleine mit behindertem Kind

Züleyha Koç hat es besonders schwer. Sie muss sich um ihre zwei kranken Kinder kümmern, eines davon ist schwerbehindert. Zudem hat sie noch eine 80 Jahre alte Mutter, um die sich die Ehefrau des kranken Mannes ebenfalls kümmern muss. Sie hat einen Brief an das Gericht geschrieben.

“Ich bin Zeliha Koç, die Mutter eines schwerkranken Kindes. Mein vierjähriger Sohn leidet an Epilepsie. Er kann weder sehen, sprechen noch laufen. Damit er sich sicher fühlt, will er ständig, dass seine Hand festgehalten werden. Er kann nicht schlafen, ist pflegebedürftig und es muss ständig jemand bei ihm sein. Meine Tochter ist 11 Jahre alt. Als sie auf die Welt kam, wurde sie krank. Sie hatte eine schwere Zeit. Doch sie lebt. Mit 10 Jahren bekam sie dann eine Krankheit an ihren Muskeln. Sie leidet an Muskelschwund. Wir hatten anstrengende und schlaflose Nächte. Hatten wir uns mit meinem Mann gemeinsam unterstützt so bin ich jetzt komplett auf mich alleine gestellt. Ich bin in einer ausweglosen Situation und ich bin ein Einzelkind. Ich muss mich alleine um meine 80.jährige Mutter kümmern. Das Leben ist jetzt noch schwerer geworden. Bitte zeigen Sie Mitgefühl Sie haben doch auch Kinder, eine Ehepartnerin und eine Mutter.

Mein Mann hat am 29, April 2019 nicht einmal sich von seinen Kindern verabschiedet, weil er dachte, dass er wiederkommt.
Er wurde im Gerichtssaal verhaftet, zu dem alleine hingefahren war. Ich bitte Sie, lassen Sie meine Kinder nicht mit ihren Tränen in den Augen. Wir brauchen Hilfe, meine Kinder brauchen ihren Vater. Bitte lehnen Sie unsere Bitte nicht ab. Ich bitte sie als eine innerlich zerstörte Frau und Mutter. Wir sind am Ende.”

Der Text wurde für die deutsche Übersetzung redaktionell bearbeitet. Das Original finden Sie hier.

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