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Inhaftierter Journalist Çetin Çiftçi positiv auf Corona getestet

Der inhaftierte Journalist Çetin Çiftçi hat sich im Sincan-Gefängnis in Ankara mit dem Coronavirus angesteckt. Der an Herz- und Nierenproblemen leidenden Journalist musste zuvor öfter ins Krankenhaus eingeliefert werden. Bold hat mit der Ehefrau des ehemaligen Parlamentskorrespondenten der inzwischen geschlossenen Zeitung “Bugün” gesprochen.

Von Cevheri Güven

Der inhaftierte Jornalist Çetin Çiftçi hat sich im Gefängnis von Ankara-Sincan mit dem Coronavirus angesteckt. Çiftçi hatte zuvor einen Herzinfarkt und leidet weiterhin an Herzkrankheiten. Auch wegen seiner kranken Nieren ist der Journalist in medizinischer Behandlung. Seine Ehefrau Selda fordert sein Freilassung aus der Haftanstalt, weil er zur Risikogruppe gehört.

Gesundheitsamt gibt Informationen

Am 12. Mai hatte Selda Çiftçi vom Gesunheitsamt in Ankara erfahren, dass ihr Mann positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Dabei hat sie auch erfahren, dass ihr Ehemann zuvor mehrmals ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

“Das Gesundheitsamt hat mir amTelefon erzählt, dass der Covid19-Test bei meinem Ehemann Çetin Çiftçi positiv war. Ich stand unter Schock. Zuletzt hatte ich mit meinem Mann am 11. Mai gesprochen. Er sagt mir, dass es keine Probleme gäbe. Sie hatten angerufen, um die Abstammung des Virus nachzuprüfen. Sie wollten uns auch testen. Ich erzählte, dass Çetin im Gefängnis sei und wir deswegen keinen Kontakt mit ihm hätten.

Als ich das Gefängnis angerufen habe, hatten sie keine Informationen darüber. Sie sagten nur, ich solle eine Stunde später wieder anrufen. Danach hat mich die Abteilung für Krankentransport des Gesundheitsministeriums angerufen. Auch ihnen sagte ich, dass mein Ehemann im Gefängnis sei. Sie hatten das Gefängnis angerufen und sich zurück an mich gewendet. ´Seien Sie beruhigt, wir werden ihn ins Krankenhaus bringen,´sagten sie mir.”

Am 4. Mai ins Krankenhaus gebracht und in Quarantäne genommen

Weil Çetin Çiftçi an chronischen Krankheiten leidet, hat seine Ehefrau verschiedene Recherchen unternommen. Dabei kam raus, dass der Journalist zuvor mehrfach vom Gefängnis ins Krankenhaus gefahren wurde.

“Als ich das Gefängnis zum zweiten Mal angerufen habe, fand ich heraus, dass er am 4. Mai ins Krankenhaus geliefert wurde. Als Vorsichtsmaßnahme wurde er dann in einer Einzelzelle unter Quarantäne genommen. Meinen Recherchen zufolge wurde er am 4. Mai in die Urologieabteilung gebracht. Er habe Probleme an seiner Niere. Am 8. Mai wurde er dann erneut ins Krankenhaus eingeliefert, diesmal weil er Probleme an seinem Rücken hatte. Am 11. Mai wurde bei ihm ein Coronatest durchgefüht, der positiv war.

Çetin wurde im September 2019 verhaftet. Er sagte uns immer, ihm gehe es gut. Meine Recherchen zufolge wurde er drei bis vier Mal wegen Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus eingeliefert. Er hat große Herzporbleme. Jetzt hat er auch Nierenprobleme bekommen. Normalerweise geht mein Mann nicht gerne ins Krankenhaus. Nach seinem Herzinfarkt konnte wir gerade noch so miteinander reden. Das bedeutet, dass der Herzinfarkt und die Corona-Pandemie ernst sind, so dass er ins Krankenhaus gebracht werden musste. Damit wir nicht traurig sind, hat er all diese Informationen vor uns verborgen. Ich hatte noch keine Möglichkeit mit ihm über all diese Dinge zu sprechen.”

Seit dem 13. Mai im Dışkapı Krankenhaus von Ankara

Selda Çiftçi erzählt uns im Gespräch, dass ihr Mann derzeit wegen des Cornavirus im Krankenhaus befindet. Weil sie keine Informationen bekomme, macht sie sich große Sorgen. “Am 13. Mai habe ich erfahren, dass mein Mann ins Krankenhaus gebracht wurden, aber aus Sicherheitsgründen wurde mir nicht gesagt in welches. Nur große Anstrengungen abe ich erfahren, dass er im Dışkapı Krankenhaus ist. Das Krankenhaus hat es auch bestätigt. Weder das Krankenhaus noch das Gefängnis wollten mir Informationen über seinen Gesundheitszustand geben. Sie sagen nur, dass die Therapie weitergeht.”

Trotz Risikogruppe keine Entlassung

Wegen seiner ernsten Krankheiten hat derJounalist Çetin Çiftçi Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt “Mein Mann hatte einen Herzinfarkt bekommen, als die Zeitung, für die er arbeitete geschlossen wurde. Danach hatte er einige Male Herzkrämpfe bekommen. Weil er unter einer Herzrhthmus leidet, wurde er drei Mal bereits vom Gefängnis ins Krankenhaus eingeliefert. Jetzt hat er Nieren und Rückenprobleme bekommen. Mein Mann ist in der Risikogruppe. Bis zu seiner endgültigen Urteilsverkündung kann er auch zu Hause sein und dadurch die Pandemie-Zeit überbrücken.

(Foto von Çetin Çiftçi und seinen Kinder im Gefängnis)

Dreifacher Vater

Der Journalist Çetin Çiftçi hat drei Kinder im Alter von 20, 13 und 6 Jahren. Weil er der Parlamentskorrespondent der geschlossenen Zeitung “Bugün,” wurde er im September 2019 festgenommen. Seine Verurteilung ging sehr schnell. Das 32. Gericht für schwere Strafsachen verurteilte den Journalisten wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation zu 6 Jahren und 3 Monaten Gefängnis. Der Fall liegt jetzt vor dem Berufungsgericht.

Als der Journalist arbeitslos wurde, zog die Familie nach Malatya um. Wegen der Corona-Pandemie gibt es in der Türkei Reisebeschränkungen. Die Angehörigen des Journalisten können deswegen nicht nach Ankara reisen. Mit dem neuen Strafvollzugsgesetz wurden 90.000 Gefangene entlassen. Politische Gefangene wie über 150 Journalisten müssen aber weiterhin im Gefängnis bleiben.

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Wissenschaftler Günebakan zu Flüchtlingen: „Ihr müsst euch nicht verstecken. Ihr habt eine gute Ausbildung.“

Islam Günebakan gehört zu den Wissenschaftlern , die nach dem Putschversuch 2016 entlassen wurden. Er fuhr danach Taxi und verkaufte Tomatenmark um zu überleben. Später floh er aus dem Land, indem er den Grenzfluss Mariza überquerte. Heute lebt er in Deutschland und macht den Flüchtlingen aus der Türkei Mut: “Hört auf Angst zu haben!” Bold hat mit dem Wissenschaftler gesprochen.

Von Cevheri Güven

(Aus dem Türkischen von Sven Weber)

Der Wissenschaftler Islam Günebakan hat an der Mustafa Kemal Universität unterichtet bis er nach demPutschversuch vom 15. Juli 2016 per Dekret entlassen wurden. Damals hatte er gerade seine Doktorarbeit beendet und wartete auf seine mündliche Stellungnahme vor der Universitätsjury. Dazu kam es aber niemals. Zunächst zog sich sein Betreuer und dann auch die Jury zurück.

Um seine Familie zu ernähren, fing der fünffache Vater an Tomatenmark verkaufen und Taxi fahren. Der Druck auf den Wisenschaftler wuchs aber immer mehr. Inzwischen wurde er in seiner Umgebung als Ungläubiger (“kafir”) bezeichnet. Um schlimmeres zu verhindern schwomm der Mann über den Grenzfluss Mariza ins griechische Nachbarland. Einige Wochen später organisierte er ein Schlauchboot und schaffte es auch seine Familie aus dem Land zu bringen.

Günebakan lebt mit seiner Familie in Deutschland und hat ein neues Leben begonnen. Nach dem er die Sprache gelernt hat, ist der Mann zu seinem eigentlichen Beruf zurückgekehrt und darf jetzt seine Doktorarbeit in seiner neuen Heimat beenden.

Die Lebensgeschichte von Günebakan ist voll von Verlusten und Siegen. Er hat auch Empfehlungen an neue Flüchtlinge aus der Türkei:” Habt keine Angst. Ihr müsst euch nicht in Deutschland verstecken. Ihr habt alle eine gute Ausbildung. Versucht eure Berufe auszuüben. Ihr werdet es schaffen.”

Warten auf das Ende der Doktorarbeit

Besonders enttäuscht ist Islam Günebakan von seinen ehemaligen Kollegen:
“Ich hatte gerade meine Doktorarbeit zu Ende geschrieben. Ich musste noch vor der Universitätsjury meine Doktorarbeit verteidigen. Weil ich aber per Dekret entlassen wurde, hat mein Betreuer Ibrahim Seyrek seine Aufgabe nicht mehr ausgeübt. Später hat sich ein anderer dazu Betreuer bereit erklärt und ich konnte vor der Universitätsjury meine Doktorarbeit verteidigen.

Als sie gemerkt haben, dass ich per Dekret entlassen wurde, haben sich die Jurymitglieder beraten und sich entschieden ihr Amt niederzulegen. Ich bin dann zum Leiter meines Fachbereichs Prof. Arif Özsağır gegangen, damit wir eine Lösung finden. Er sagte nur, dass niemand sich in meinem Fall bereit erklärt Jurymitglied zu werden. “Wenn es nach mir ginge, sollte man dich nicht einmal als Studenten akzeptieren. Man sollte dir sogar die Staatsbürgerschaft entziehen,” soll der Hochschulprofessor Özsağır gesagt haben.

“Auch wenn ich im Gefängnis sein oder verurteilt sein sollte darf das Recht auf Bildung nicht gehindert werden. Mein Recht auf Bildung wurde mir weggenommen, bevor überhaupt ein Gerichtsverfahren gegen mich angefangen hat – und das von Professoren,” empört sich der Wissenschaftler.

“Meine Familie behandelte mich wie einen Terroristen”

Neben der Entlassung per Dekret leidet Günebakan besonders daran, dass seine Familie ihn nicht unterstützt hat.
“Nachdem ich entlassen wurden, habe ich meine Mutter angerufen. ´Dann wärst du mit ihnen eben nicht in Verbindung gewesen,´war ihre Reaktion. Sie hat neben mir den Nachrichtensender “A Haber” (Anm. d. Red. Sender, der regelmäßig gegen Regierungsgegner hetzt und praktischer Kontrolle von Präsident Erdoğan ist). Sie hat sich die Flagge geschnappt und hat immer wieder an den “Demokratie-Meetings” teilgenommen. Später merkte sie wer im Recht und wer im Unrecht war. Aber ihre ersten Reaktionen haben sich in mein Herz eingebrannt.

Nach meiner Entlassung war ich zu einem meiner Brüder gegangen. ´wenn es einen Bürgerkrieg gäbe würde ich dich auf der Straße töten, egal ob Bruder oder nicht.´Ähnlich mein Schwiegervater. ´Wenn wir auf die Straßen (Anm. d. Redakton in den Bürgerkrieg) gehen sollten, wären die ersten, die ich erschieße meine Tochter und mein Schwiegersohn.´

´Der Staat darf das. Neben den Schuldigen wird es sicherlich auch Unschuldige geben. Das ist etwas notwendiges,´sagte mein Vater. Als ob das nicht reicht, bekamen meine Kinder in der Schule auch den Druck zu spüren, weil sie zu diesen oder jenen gehören sollen.”

Versuchen auf den Beinen zu stehen

Nach dem Günebakan entlassen wurde und keine Hilfe von seiner Familie bekommen hat musste er alleine einen Ausweg suchen.
“Zuerst habe ich Tomatenmark verauft. Aber das ist nur Saisonarbeit. In dieser Zeit hatte die Polizei bei mir zu Hause eine Razzia gemacht. Sie suchten nach mir. Mit einer gefälschten Identität habe ich dann angefangen als Taxifahrer zu arbeiten. Manchmal kamen die Polizisten zu unserem Taxistand um sich mit den Fahrern zu unterhalten. Sie wussten, dass ich per Dekret entlassen wurde. Eine von ihnen fragte mich, ob ich Fethullah Gülen mag. Ich erwiderte, dass ich respektiere. ´Dann bist du ein Ungläubiger,´sagte er zu mir. Alle dort waren wie festgefroren. Ich merkte, dass ich diesem Land nicht mehr die Chance habe zu leben. Ich entschied mich das Land zu verlassen.”

Schwimmend den Granzfluss Mariza überquert

Günebakan hatte den Menschenschmugglern nicht getraut. Er wollte den Grenzfluss Mariza alleine überqueren und später seine Familie rüberbringen. “Ich habe auf den Landkarten nach einer Möglichkeit gesucht, wo ich am besten rüberkommen kann. Meine Freunde, die zuvor den Fluss überquert hatten, rieten mir mit einem Taxi in die Nähe des Mariza zu fahren. Während ich rüberschwomm, hielt ich meine Tasche fest.

Als ich in Griechenland angekommen war, wollte ich zunächst dort bleiben. Ich ließ mich in Thessaloniki nieder. Es war dort sehr heiß. Ich besuchte einen Griechischkurs. Natürlich musste ich auch meine Ehefrau und unsere Kinder rausholen. Ich hatte versprochen zurückzukehren, wenn ich es nicht schaffe, sie auch ins Ausland zu bringen.

Ich hatte meiner Frau und einem Freund Koordinaten am Ufer des Mariza gegeben, zu dem sie kommen sollten. Ich hatte in Thessaloniki ein Schlauchboot gekauft und ein Auto gemietet, um ebenfalls zum Fluss zu gelangen. Ich musste das Boot mit meinem Auto aufpusten und hatte deswegen keine Kraft mehr. Die Strömung war sehr stark und ich hatte Schwierigkeiten das andere Flussufer zu erreichen. Neben meiner Familie hatte am anderen Flussufer auch die Familie meines Freundes gewartet. Wir waren dann zu zehnt im Boot, weswegen es sich kaum bewegt hat. Ich bin dann ins Wasser gesprungen und merkte, dass ich Boden unter den Füßen habe. Also schob ich dass Boot wieder zurück auf die griechische Seite.

In Thessaloniki hatten wir finanzielle Schwierigkeiten. Es gab eine Ausgabestelle, die Flüchtlinge jeden Tag zwei Mal mit Essen versorgte. Ich hatte dann von dort Essen für uns organisiert. Eine Zeit lang ging das so weiter. Es war sehr schwierig dort eine Arbeit zu finden.

Anfangszeit in Deutschland

Später habe ich meine Frau und Kinder auf eine gefährliche Schiffsreise nach Italien geschickt. Anschließend bin ich alleine nach Deutschland gekommen.

Mein Ziel war es in meinem Beruf weiterzumachen. Ich hatte rund 10 Professoren angeschrieben. An einer Universität gab es ein Programm, das sich ´Integrationskampuss” nennt. Ich hatte mich dafür beworben. Ich hatte ihnen dort erzählt, dass ich meine Doktorarbeit nicht beenden konnte. Ich wurde für das Programm akzeptiert und bekamm die Gelegenheit meine Doktorarbeit auf Englisch zu beenden. Ich entschied mich zuerst aber Deutsch zu lernen. Ein Professor der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hatte mich kontaktiert und jetzt arbeite ich an meiner Doktorarbeit. Ich besuche hier zudem Vorlesungen. Wenn ich meine Doktorarbeit beendet habe, würde ich gerne an der Universität bleiben.”

“Sprache lernen ist kein großes Problem”

Die neu ankommenden Flüchtlinge aus der Türkei müssten ihre Traumata und Ängste zurücklassen. Der Doktrand empfiehlt sich im Leben sichtbar zu machen. “An meinem Wohnort gibt es einen Ausländerbeirat. Die Mitglieder werden alle fünf Jahre gewählt. Sie entwickeln Projekte für Zuwanderer, damit sie sich besser integrieren können. Ich möchte mich auch zur Wahl stellen. Im Juli wird gewählt.

Wenn die Menschen in Deutschland ankommen, sehen sie das Lernen der neuen Sprach als großes Problem an. Sie denken, ohne die Sprache kann mich hier nicht einmal bewegen. In der Kommunikation gibt es drei wichtige Faktoren: Sprache, Ton und Körpersprache. Sprache sind etwa 20 Prozent der Kommunikation. Anfangs habe ich mich mit Englisch, Türkisch und ein wenig Deutsch verständigt. Es geht nicht nur darum fehlerfrei Deutsch zu sprechen, sondern eine Verbindung aufzubauen, seine Probleme erzählen zu können.

“Seid sichtbar und hört auf Angst zu haben”

“Ängste wie nicht hörbar nicht sichtbar sein, nicht wahrgenommen werden gibt es bei den neu ankommenden Flüchtlingen aus der Türkei. Das ist ein großes Hindernis beim Vorankommen. Das sind Ängste aus der Türkei. Sie haben sogar Angst in Gruppen der Messengerdienster “WhatsApp” und “Telegram” zu sein. Wir müssen das alles hinter uns lassen.

Nicht Sprache, sondern Angst ist das Problem

Ich bin zu einer Veranstaltung von “Amnesty” gegangen, als ich auf dem B1-Niveau war. Ich habe damals kaum etwas verstanden. Ich habe mich vorgestellt und erzählt, was ich in der Türkei durchgemacht habe. Ich wollte mithelfen. Sie sagten, dass sie bald in der Innenstadt einen Stand aufmachen werden und dass ich auch dabei sein könne. Inzwischen nehme ich an ihren wöchentlichen Veranstaltungen teil.

Wäre ich in der Türkei, wäre ich in Handschellen gewesen. Hier habe ich meine Freiheit. Der Staat gibt hier mir Möglichkeiten und tut hier mehr für mich als meine Eltern es für mich getan haben.Ich bin nicht auf andere angewiesen.

Flüchtlinge sollten also nicht nur zu einem Deutschkurs gehen. Sie sollten sich auch ehrenamtlich beteiligen. Wir sollten auch unsere Erfahrungen an die neuen Flüchtlinge geben, weil wir inzwischen auch eine gewisse Erfahrung gemacht haben.”

“Auch wenn man nicht in seinem alten Beruf arbeiten kann, dann wenigsten etwas ähnliches”

Günebakan teilt die Meinung vieler Flüchtlinge nicht, dass man hier nur gewöhnlicher Arbeiten werden können.
“Ab meiner Universität gibt es einen Studentclub. Sie entwickeln dort Autoprototypen. Ich habe mich bei ihnen als freiwilliger Helfer beworben. Jetzt mache ich die Mitgliederkartei und kümmere mich um die Emails und das, als ich noch auf B1-Niveau war. Es hat sehr viel dabei geholfen die Sprache zu lernen.

Die meisten der Flüchtlinge aus der Türkei sind Lehrer. Zunächst hieß es, dass solche in ihrem alten Beruf in Bayern nicht arbeiten könnten. Manche wollten gewöhnlicher Arbeiter oder LKW-Fahrer werden. Vielleicht kann man nicht an einer regulären Schule arbeiten, aber im Bildungsbereich gibt es auch andere Möglichkeiten, z.B. An Nachhilfeschulen.

Sagt nicht ´ich kann nicht als Lehrer werden und deswegen werde ich LKW-Fahrer.´Wenn ihr nicht in euren Fächern arbeiten könnt, dann zumindest in einem anderen Fach.

 

Der Text wurde für die deutsche Übersetzung redaktionell bearbeitet. Das Original finden Sie hier.

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150 Gefangene erleiden Lebensmittelvergiftung im Gefängnis von Ankara-Sincan

Erneut haben sich dramatische Szenen in einem türkischen Gefängnis abgespielt. Am Dienstag Abend erlitten rund 150 Gefangene eine Lebensmittelvergiftung im Gefängnis von Ankara-Sincan. Die Lage bleibt weiterhin unübersichtlich.

Von Sevinç Özarslan

Die Lebensmittelvergiftung von rund 150 Häftlingen im Gefängnis von Ankara-Sincan war öffentlich geworden, nachdem am Mittwoch früh ein Gefangener seinen wöchentlichen Anruf mit seiner Familie tätigte. “Wir mussten unsere Notdruft auf den Boden machen. Bis in die Morgenstunden hatten wir Tüten in den Händen und haben gebrochen. Niemand würde es interessieren, wenn wir hier sterben,” sagte der Gefangene am Telefon seiner Mutter.

Abgelaufenes Nudelgericht in den Gefängnissen vom Typ T verteilt

Die Mutter D.Ö., die mit Bold gesprochen hat, erzählt, dass sie am Mittwochmorgen mit ihrem Sohn telefoniert habe. “Das abgelaufene Essen wurden allen Gefangenen im Type T Gefängnis von Ankara Sincan verteilt. Weil die Häftlinge sehr hungrig waren, hat zunächst keiner von ihnen etwas bemerkt,” sagte die Mutter.

Bewusstsein verloren, Weinen, Winseln, und Brechen

Nach ihrem Fastenbrechen in den Abendstunden fing es an. Die Gefangenen bekamen Fieber und Durchfall, mussten brechen. Sie wurden in die Krankenstation gebracht, erzählt D.Ö.: “Die Sanitätsstation hat Platz für 10 Gefangene und deswegen wurde auch nur 10 Häftlinge aufgenommen. Danach wurden bis zu 150 Gefangene krank. In der Krankenstation wurden Matratzen auf den Boden gelegt. Den Gefangenen gab man Tüten. Einige verloren das Bewusstsein, sie weinten und ständig hörte man, wie jemand anderes gebrochen hat,” erzählte uns die Mutter des Kranken.

Nur 1 Krankenpfleger

Nur ein Krankenpfleger gäbe es für diese große Anzahl von Kranken:
“Die Kranken wollten ins Krankenhaus gebracht werden. Wegen der Corona-Gefahr haben das die Aufsehen abgelehnt. Noch schlimmer, nach einer bestimmten Zahl haben sich die Aufseher geweigert, die Kranken zur Krankenstation zu bringen. ´Eure Zellen sind besser für eure Gesundheit als die Krankenstation, sollen die Aufseher gesagt haben.´ Das hat dazu geführt, dass die Gefangenen in der Warteschlange für die Toilette ihre Notdurft voreinander auf den Boden machen mussten. Sie mussten brechen und sahen sich gegenseitig, wie sie ihre Notdruft voreinander auf den Boden verrichteten.

“Tun Sie alles, damit die Stimmen der Gfangenen gehört werden

Der Durchfall ihres Sohnes halte weiter an, erzählt D.Ö. Und bittet um Hilfe. “Auch am folgenden Tag habe es in der Zelle ihres Sohnes Fälle gegeben, in der Häftlinge ihr Bewusstsein verloren haben. Mein Kind wurde dem Tod überlassen. So fühlen wir uns. Niemand will unsere Stimme hören. Tun Sie bitte alles, damit wir gehört werden,” so die Mutter. “Menschen werden dem Tod überlassen. Wo sind die Verantwortlich für sie?”

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Willkommen in der Heim-Küche von Betül

Ihr jüngster Sohn war nur 9 Monate alt, als die Grundschullehrerin Betül Koçak den Fluss Mariza nach Griechenland überquert hat, um der Verfolgung in ihrem Land zu entfliehen. Jetzt hat die Mutter einen eigenen Youtube-Kanal und teilt dort Rezepte aus der Küche ihres Flüchtlingsheims.

Von Sevinç Özarslan

Vor anderthalb Jahren musste die Grundschullehrerin Betül Koçak (28) aus ihrem Land geflohen ist. Jetzt hat sie ihre eigene Kochsendung auf ihrem Youtube-Kanal. Genutzt wird dafür die Küche ihres Flüchtlingsheims. Seit ihrer Ankunft lebt die Lehrerin gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren zwei Söhnen in dem Flüchtlingsheim.

„Seit drei Monaten“

„Wir haben unserr Visum noch nicht bekommen. Auf der einen Seite lerne ich Deutsch und auf der anderen Seite suchte ich eine Beschäftigung. Dann habe ich mich vor drei Monaten entschlossen auf meinem eigenen Youtube-Kanal Rezepte vorzustellen. Ich mache diese Videos alleine und stelle sie dann ins Netz,“ erzählt Betül Koçak.

Mit 9 Monate altem Baby über den Fluss geflüchtet

Die Grundschullehrerin erzäht, dass zunächst ihr Mann mit dem dekret 701 entlassen wurde und warum die ihre Familie aus der Türkei flüchten mussten. „Ich war Lehrerin und war im Mutterschutz. Nachdem mein Mann entlassen wurde, wollte wir nicht mehr in der Türkei bleiben. Als wir den Fluss Mariza überquert haben, war mein Sohn neun Monate und mein Großer dreieinhalb. Wir durften nicht einmal Schwimmwesten anziehen. Es musste sehr schnell gehen. Ich hielt meinen Sohn in den Armen. Es war sehr schweirig, aber am Ende hat es glücklicherweise geklappt.“

„Ich entspanne dabei“

Viele Menschen können in einem neuen Land während ihrer Integrationsphase psychische Probleme bekommen. Das Land zu verlassen, in dem man auf die Welt kam und aufgewachsen ist, ist nicht einfach…Es ist nicht sehr einfach sich über diese Gefühle hinwezusetzen. Manche finden dann wie Betül Koçak Möglichkeiten all das zu überwinden und seinen Platz in einem neuen Land zu finden.

„Diejenigen, die in Flüchtlingsheimen leben warten darauf, ein Visum zu bekommen endlich in ihre eigenen vier Wände ziehen zu können. Bis vor sechseinhalb Monaten waren auch wir in einem schlechten Heim aber in diesem geht es uns gut. Wir haben zumindest ein eigenes Badezimmer. Wir leben in einer 43 qm großen Unterkunft mit eigener Küche. Wir sind sehr dankbar dafür. Und mein Kochkanal auf Youtube motiviert mich um so mehr. Ohne habe ich sehr geliebt zu kochen. Ich fühle mich glücklich, erzählt Betül Koçak.
Ich versäume natürlich auch nicht Deutsch zu lernen. Weil wir noch kein Visum haben, dürfen wir noch nicht an den staatlichen Integrationskursen teilnehmen. Dennoch besucht das Ehepaar die kostenlosen Sprachkurse der Universität in ihrer Stadt.

Hinweis für neue Youtuber

Die Grundschullehrerin nennt ihren Youtube-Kanal “Minik Tatlı Mutfağım.” Übersetzt heißt das so viel wie meine „Kleine Süße Miniküche.“ Sie zählt derzeit rund 1.000 Abonnenten und gibt Tips für neue Youtuber:

„Viele Youtuber kennen dieses Detail nicht. Ich habe es auch neu erfahren. Es ist sehr wichtig, dass die Zuschauer erst Abonnenten werden, nachdem sie ein Video gesehen haben. Wenn man aber einen Kanal abonniert, ohne ein Video geschaut zu haben, stuft das die Videoplattform als Spam ein und akzeptiert sie nicht als Abonnenten. Mir wurden so 400 Abonnenten aberkannt.“

Der Text wurde für die deutsche Übersetzung redaktionell bearbeitet. Das Original finden Sie hier.

 

 

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