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Mehrere Bürgermeister von HDP durch Zwangsverwalter ersetzt und festgenommen

Gewählte Bürgermeister der Oppositionspartei HDP werden nach und nach ihres Amtes enthoben und durch Zwangsverwalter ersetzt. Jetzt wurden trotz Corona-Pandemie auch die Bürgermeister von Iğdır, Siirt, Kurtalan und Baykan ebenfalls auf Anordnung des Innenministers durch  Zwangsverwalter ersetzt. Die Bürgermeister der Städte Iğdır, Siirt, Kurtalan, Altınova und Baykan wurden bei Razzien in ihren Häusern festgenommen. Vor den Gebäuden der Stadtverwaltung hat sich die Polizei positioniert.

50 Stadtverwaltung der HDP weggenommen

Bei den Kommunalwahlen vom 31. März 2019 hat die HDP die Mehrheit in 65 Städten für sich entschiden, 3 von ihnen sind Großstädten. Bislang wurden 44 HDP-Bürgermeister durch Zwangsverwalter ersetzt. 6 Bürgermeister durften ihr Amt erst gar nicht antreten.

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150 Gefangene erleiden Lebensmittelvergiftung im Gefängnis von Ankara-Sincan

Erneut haben sich dramatische Szenen in einem türkischen Gefängnis abgespielt. Am Dienstag Abend erlitten rund 150 Gefangene eine Lebensmittelvergiftung im Gefängnis von Ankara-Sincan. Die Lage bleibt weiterhin unübersichtlich.

Von Sevinç Özarslan

Die Lebensmittelvergiftung von rund 150 Häftlingen im Gefängnis von Ankara-Sincan war öffentlich geworden, nachdem am Mittwoch früh ein Gefangener seinen wöchentlichen Anruf mit seiner Familie tätigte. “Wir mussten unsere Notdruft auf den Boden machen. Bis in die Morgenstunden hatten wir Tüten in den Händen und haben gebrochen. Niemand würde es interessieren, wenn wir hier sterben,” sagte der Gefangene am Telefon seiner Mutter.

Abgelaufenes Nudelgericht in den Gefängnissen vom Typ T verteilt

Die Mutter D.Ö., die mit Bold gesprochen hat, erzählt, dass sie am Mittwochmorgen mit ihrem Sohn telefoniert habe. “Das abgelaufene Essen wurden allen Gefangenen im Type T Gefängnis von Ankara Sincan verteilt. Weil die Häftlinge sehr hungrig waren, hat zunächst keiner von ihnen etwas bemerkt,” sagte die Mutter.

Bewusstsein verloren, Weinen, Winseln, und Brechen

Nach ihrem Fastenbrechen in den Abendstunden fing es an. Die Gefangenen bekamen Fieber und Durchfall, mussten brechen. Sie wurden in die Krankenstation gebracht, erzählt D.Ö.: “Die Sanitätsstation hat Platz für 10 Gefangene und deswegen wurde auch nur 10 Häftlinge aufgenommen. Danach wurden bis zu 150 Gefangene krank. In der Krankenstation wurden Matratzen auf den Boden gelegt. Den Gefangenen gab man Tüten. Einige verloren das Bewusstsein, sie weinten und ständig hörte man, wie jemand anderes gebrochen hat,” erzählte uns die Mutter des Kranken.

Nur 1 Krankenpfleger

Nur ein Krankenpfleger gäbe es für diese große Anzahl von Kranken:
“Die Kranken wollten ins Krankenhaus gebracht werden. Wegen der Corona-Gefahr haben das die Aufsehen abgelehnt. Noch schlimmer, nach einer bestimmten Zahl haben sich die Aufseher geweigert, die Kranken zur Krankenstation zu bringen. ´Eure Zellen sind besser für eure Gesundheit als die Krankenstation, sollen die Aufseher gesagt haben.´ Das hat dazu geführt, dass die Gefangenen in der Warteschlange für die Toilette ihre Notdurft voreinander auf den Boden machen mussten. Sie mussten brechen und sahen sich gegenseitig, wie sie ihre Notdruft voreinander auf den Boden verrichteten.

“Tun Sie alles, damit die Stimmen der Gfangenen gehört werden

Der Durchfall ihres Sohnes halte weiter an, erzählt D.Ö. Und bittet um Hilfe. “Auch am folgenden Tag habe es in der Zelle ihres Sohnes Fälle gegeben, in der Häftlinge ihr Bewusstsein verloren haben. Mein Kind wurde dem Tod überlassen. So fühlen wir uns. Niemand will unsere Stimme hören. Tun Sie bitte alles, damit wir gehört werden,” so die Mutter. “Menschen werden dem Tod überlassen. Wo sind die Verantwortlich für sie?”

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Willkommen in der Heim-Küche von Betül

Ihr jüngster Sohn war nur 9 Monate alt, als die Grundschullehrerin Betül Koçak den Fluss Mariza nach Griechenland überquert hat, um der Verfolgung in ihrem Land zu entfliehen. Jetzt hat die Mutter einen eigenen Youtube-Kanal und teilt dort Rezepte aus der Küche ihres Flüchtlingsheims.

Von Sevinç Özarslan

Vor anderthalb Jahren musste die Grundschullehrerin Betül Koçak (28) aus ihrem Land geflohen ist. Jetzt hat sie ihre eigene Kochsendung auf ihrem Youtube-Kanal. Genutzt wird dafür die Küche ihres Flüchtlingsheims. Seit ihrer Ankunft lebt die Lehrerin gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren zwei Söhnen in dem Flüchtlingsheim.

„Seit drei Monaten“

„Wir haben unserr Visum noch nicht bekommen. Auf der einen Seite lerne ich Deutsch und auf der anderen Seite suchte ich eine Beschäftigung. Dann habe ich mich vor drei Monaten entschlossen auf meinem eigenen Youtube-Kanal Rezepte vorzustellen. Ich mache diese Videos alleine und stelle sie dann ins Netz,“ erzählt Betül Koçak.

Mit 9 Monate altem Baby über den Fluss geflüchtet

Die Grundschullehrerin erzäht, dass zunächst ihr Mann mit dem dekret 701 entlassen wurde und warum die ihre Familie aus der Türkei flüchten mussten. „Ich war Lehrerin und war im Mutterschutz. Nachdem mein Mann entlassen wurde, wollte wir nicht mehr in der Türkei bleiben. Als wir den Fluss Mariza überquert haben, war mein Sohn neun Monate und mein Großer dreieinhalb. Wir durften nicht einmal Schwimmwesten anziehen. Es musste sehr schnell gehen. Ich hielt meinen Sohn in den Armen. Es war sehr schweirig, aber am Ende hat es glücklicherweise geklappt.“

„Ich entspanne dabei“

Viele Menschen können in einem neuen Land während ihrer Integrationsphase psychische Probleme bekommen. Das Land zu verlassen, in dem man auf die Welt kam und aufgewachsen ist, ist nicht einfach…Es ist nicht sehr einfach sich über diese Gefühle hinwezusetzen. Manche finden dann wie Betül Koçak Möglichkeiten all das zu überwinden und seinen Platz in einem neuen Land zu finden.

„Diejenigen, die in Flüchtlingsheimen leben warten darauf, ein Visum zu bekommen endlich in ihre eigenen vier Wände ziehen zu können. Bis vor sechseinhalb Monaten waren auch wir in einem schlechten Heim aber in diesem geht es uns gut. Wir haben zumindest ein eigenes Badezimmer. Wir leben in einer 43 qm großen Unterkunft mit eigener Küche. Wir sind sehr dankbar dafür. Und mein Kochkanal auf Youtube motiviert mich um so mehr. Ohne habe ich sehr geliebt zu kochen. Ich fühle mich glücklich, erzählt Betül Koçak.
Ich versäume natürlich auch nicht Deutsch zu lernen. Weil wir noch kein Visum haben, dürfen wir noch nicht an den staatlichen Integrationskursen teilnehmen. Dennoch besucht das Ehepaar die kostenlosen Sprachkurse der Universität in ihrer Stadt.

Hinweis für neue Youtuber

Die Grundschullehrerin nennt ihren Youtube-Kanal “Minik Tatlı Mutfağım.” Übersetzt heißt das so viel wie meine „Kleine Süße Miniküche.“ Sie zählt derzeit rund 1.000 Abonnenten und gibt Tips für neue Youtuber:

„Viele Youtuber kennen dieses Detail nicht. Ich habe es auch neu erfahren. Es ist sehr wichtig, dass die Zuschauer erst Abonnenten werden, nachdem sie ein Video gesehen haben. Wenn man aber einen Kanal abonniert, ohne ein Video geschaut zu haben, stuft das die Videoplattform als Spam ein und akzeptiert sie nicht als Abonnenten. Mir wurden so 400 Abonnenten aberkannt.“

Der Text wurde für die deutsche Übersetzung redaktionell bearbeitet. Das Original finden Sie hier.

 

 

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Inhaftierter Journalist Çetin Çiftçi positiv auf Corona getestet

Der inhaftierte Journalist Çetin Çiftçi hat sich im Sincan-Gefängnis in Ankara mit dem Coronavirus angesteckt. Der an Herz- und Nierenproblemen leidenden Journalist musste zuvor öfter ins Krankenhaus eingeliefert werden. Bold hat mit der Ehefrau des ehemaligen Parlamentskorrespondenten der inzwischen geschlossenen Zeitung “Bugün” gesprochen.

Von Cevheri Güven

Der inhaftierte Jornalist Çetin Çiftçi hat sich im Gefängnis von Ankara-Sincan mit dem Coronavirus angesteckt. Çiftçi hatte zuvor einen Herzinfarkt und leidet weiterhin an Herzkrankheiten. Auch wegen seiner kranken Nieren ist der Journalist in medizinischer Behandlung. Seine Ehefrau Selda fordert sein Freilassung aus der Haftanstalt, weil er zur Risikogruppe gehört.

Gesundheitsamt gibt Informationen

Am 12. Mai hatte Selda Çiftçi vom Gesunheitsamt in Ankara erfahren, dass ihr Mann positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Dabei hat sie auch erfahren, dass ihr Ehemann zuvor mehrmals ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

“Das Gesundheitsamt hat mir amTelefon erzählt, dass der Covid19-Test bei meinem Ehemann Çetin Çiftçi positiv war. Ich stand unter Schock. Zuletzt hatte ich mit meinem Mann am 11. Mai gesprochen. Er sagt mir, dass es keine Probleme gäbe. Sie hatten angerufen, um die Abstammung des Virus nachzuprüfen. Sie wollten uns auch testen. Ich erzählte, dass Çetin im Gefängnis sei und wir deswegen keinen Kontakt mit ihm hätten.

Als ich das Gefängnis angerufen habe, hatten sie keine Informationen darüber. Sie sagten nur, ich solle eine Stunde später wieder anrufen. Danach hat mich die Abteilung für Krankentransport des Gesundheitsministeriums angerufen. Auch ihnen sagte ich, dass mein Ehemann im Gefängnis sei. Sie hatten das Gefängnis angerufen und sich zurück an mich gewendet. ´Seien Sie beruhigt, wir werden ihn ins Krankenhaus bringen,´sagten sie mir.”

Am 4. Mai ins Krankenhaus gebracht und in Quarantäne genommen

Weil Çetin Çiftçi an chronischen Krankheiten leidet, hat seine Ehefrau verschiedene Recherchen unternommen. Dabei kam raus, dass der Journalist zuvor mehrfach vom Gefängnis ins Krankenhaus gefahren wurde.

“Als ich das Gefängnis zum zweiten Mal angerufen habe, fand ich heraus, dass er am 4. Mai ins Krankenhaus geliefert wurde. Als Vorsichtsmaßnahme wurde er dann in einer Einzelzelle unter Quarantäne genommen. Meinen Recherchen zufolge wurde er am 4. Mai in die Urologieabteilung gebracht. Er habe Probleme an seiner Niere. Am 8. Mai wurde er dann erneut ins Krankenhaus eingeliefert, diesmal weil er Probleme an seinem Rücken hatte. Am 11. Mai wurde bei ihm ein Coronatest durchgefüht, der positiv war.

Çetin wurde im September 2019 verhaftet. Er sagte uns immer, ihm gehe es gut. Meine Recherchen zufolge wurde er drei bis vier Mal wegen Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus eingeliefert. Er hat große Herzporbleme. Jetzt hat er auch Nierenprobleme bekommen. Normalerweise geht mein Mann nicht gerne ins Krankenhaus. Nach seinem Herzinfarkt konnte wir gerade noch so miteinander reden. Das bedeutet, dass der Herzinfarkt und die Corona-Pandemie ernst sind, so dass er ins Krankenhaus gebracht werden musste. Damit wir nicht traurig sind, hat er all diese Informationen vor uns verborgen. Ich hatte noch keine Möglichkeit mit ihm über all diese Dinge zu sprechen.”

Seit dem 13. Mai im Dışkapı Krankenhaus von Ankara

Selda Çiftçi erzählt uns im Gespräch, dass ihr Mann derzeit wegen des Cornavirus im Krankenhaus befindet. Weil sie keine Informationen bekomme, macht sie sich große Sorgen. “Am 13. Mai habe ich erfahren, dass mein Mann ins Krankenhaus gebracht wurden, aber aus Sicherheitsgründen wurde mir nicht gesagt in welches. Nur große Anstrengungen abe ich erfahren, dass er im Dışkapı Krankenhaus ist. Das Krankenhaus hat es auch bestätigt. Weder das Krankenhaus noch das Gefängnis wollten mir Informationen über seinen Gesundheitszustand geben. Sie sagen nur, dass die Therapie weitergeht.”

Trotz Risikogruppe keine Entlassung

Wegen seiner ernsten Krankheiten hat derJounalist Çetin Çiftçi Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt “Mein Mann hatte einen Herzinfarkt bekommen, als die Zeitung, für die er arbeitete geschlossen wurde. Danach hatte er einige Male Herzkrämpfe bekommen. Weil er unter einer Herzrhthmus leidet, wurde er drei Mal bereits vom Gefängnis ins Krankenhaus eingeliefert. Jetzt hat er Nieren und Rückenprobleme bekommen. Mein Mann ist in der Risikogruppe. Bis zu seiner endgültigen Urteilsverkündung kann er auch zu Hause sein und dadurch die Pandemie-Zeit überbrücken.

(Foto von Çetin Çiftçi und seinen Kinder im Gefängnis)

Dreifacher Vater

Der Journalist Çetin Çiftçi hat drei Kinder im Alter von 20, 13 und 6 Jahren. Weil er der Parlamentskorrespondent der geschlossenen Zeitung “Bugün,” wurde er im September 2019 festgenommen. Seine Verurteilung ging sehr schnell. Das 32. Gericht für schwere Strafsachen verurteilte den Journalisten wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation zu 6 Jahren und 3 Monaten Gefängnis. Der Fall liegt jetzt vor dem Berufungsgericht.

Als der Journalist arbeitslos wurde, zog die Familie nach Malatya um. Wegen der Corona-Pandemie gibt es in der Türkei Reisebeschränkungen. Die Angehörigen des Journalisten können deswegen nicht nach Ankara reisen. Mit dem neuen Strafvollzugsgesetz wurden 90.000 Gefangene entlassen. Politische Gefangene wie über 150 Journalisten müssen aber weiterhin im Gefängnis bleiben.

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