Menschenrechte

Schwerbehinderte Nurbanu bekommt kein Pflegeld, weil Vater inhaftiert ist

Nurbanu Aydın ist seit ihrer Geburt schwerstbehindert. Sechs Jahre lang hat der Staat Pflegegeld für sie bezahlt. Jetzt wurden die Zahlungen eingestellt. Offenbar liegt der Grund darin bei der Verhaftung ihres Vaters.

Von Sevinç Özarslan
(Aus dem Türkischen von Sven Weber)

Der Geschäftsmann Muammer Aydın sitzt wegen Terrorismusvorwurfs im Gefängnis hinter Gittern. Ihm wird vorgeworfen, dass er drei seiner Kinder auf Provatschulen geschickt zu haben und Mitglied in einem Verein gewesen zu sein. Nach seiner Verhaftung wurden das Geld für die Pflegekraft seiner schwerstbehinderten Tochter Nurbanu Aydın gestrichen.

Als die Hilfen weggestrichten wurden, hatte die Mutter erneut Antrag auf Pflegegeld bei der staatlichen Sozialversicherung SSK (Sosyal Sigortalar Kurumuna) gestellt. Die Mitarbeiter der SSK kamen daraufhin nach Hause und stellten Fragen zu ihrem Mann. “Ich verberge nichts,” erzählt die Mutter. “Mein Mann hat unsere Kinder auf die Privatschule ´Bakırçay Kolej´ in Izmir Bergama geschickt und war Mitglied im ´Bakırçay Genç İşadamları Derneği,´einem Verein für junge Geschäftsmänner. Einer von den Mitarbeitern des SSK sagte daraufhin, dass wir dieses Geld nicht verdienten,” erzählt Mahire Aydın.

Muammer Aydın hatte ein Geschäft in Izmir Bergama, in dem er Autoersatzteile verkauft hat. Im Oktober 2015 wird er bei den Massenverhaftungen gegen Mitglieder der Gülen-Bewegung festgenommen und ins Gefängnis von Izmir-Şakran gesteckt und später zu 6 Jahren und 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach 16 Monaten wurde er vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Nachdem das Berufungsgericht das Urteil bestätigt hat, wurde der Mann erneut festgenommen. Seit der Festnahme des Familienvaters lebt die Familie von dem Geld ihrer zwei älteren Söhne.

Die schwerstbehinderte Tochter Nurbanu Aydın kann ihren Vater nicht besuchen, weil sie nicht in Rollstühlen sitzen kann. Zudem weine die Tochter sehr häufig und sei auch immer wieder angespannt, erzählt die Mutter. Die Frau beschwert sich, dass Menschen seit dem Putschversuch wegen Terrorismus ins Gefängnis gesteckt würden, weil sie ihre Kinder auf bestimmte Schulen schickten.
Mit der Inhaftierung des Familienvaters ist die Familie zusätzlich bestraft. Einkünfte sind weggebrochen, das Pflegegeld für die schwerstbehinderte Tochter gestrichen und die Mutter mit der Pflege ihrer Tochter alleine gelassen.

Der Text wurde für die deutsche Übersetzung redaktionell bearbeitet. Das Original finden Sie hier.

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